1970 interviewte Oriana Fallaci die palästinensische Terroristin Raschida Abhedo, die in einem Jerusalemer Supermarkt in Jerusalem zwei Bomben gelegt hatte, deren Explosion ein Massaker anrichtete. Das Interview ist veröffentlicht in Oriana Fallacis Buch „Intervista con il potere” (Rizzoli 2009). Aus Anlass der Attentate von Paris habe ich das Interview übersetzt.
Sie hatte das Aussehen einer
Nonne. Oder das einer von den Roten Wächterinnen Mao Tse-tungs. Von den Nonnen
hatte sie die hinterhältige Zurückhaltung, von den Roten Wächterinnen die verachtende
Feindseligkeit, von allen beiden die Vorliebe hässlich zu erscheinen, obwohl
sie alles andere als hässlich war. Zum Beispiel war ihr kleines Gesicht hübsch:
grüne Augen, hohe Bäckchen, schön geschnittener Mund. Ihr Körper war sehr klein
und ich stellte mir ihn frisch und ohne Fehler vor. Aber insgesamt sah er verschlissen aus wegen diesen
schwarzen, öligen Büscheln, wegen diesem Pyjama aus graugrünem Stoff, eine Art
improvisierte Uniform, wie ich annehme, drei Grössen grösser als ihre, diese
gewollte, zur Schau gestellte Schlampigkeit, die mich mit Bösartigkeit
ansprang. Nach diesem ersten Eindruck, zögerte ich, ihr die Hand zu geben, die
sie mir leicht entgegenstreckte, wobei sie sitzen blieb und mich nötigte mich
zu ihr herunter zu neigen etwa wie ein Untertan, der den Fuss der Königin
küsst. Innerlich fluchte ich: “Schlechterzogene Schlampe“.
Ihre Hand berührte schlaff die meine. Ihre grüne Augen sahen mich unverfroren,
oder besser, herausfordernd an,, und eine schwache, streitsüchtige Stimme sagte mit Betonung: „Angenehm, Raschida
Abhedo“. Dann, nach dieser Anstrengung, die es sie gekostet hatte, setzte sie
sich bequemer hin und lehnte sich gegen die Rückenlehne des grossen Sofas, das
im hinteren Teil des Wohnzimmers einen Ehrenplatz einnahm. Ich sage das, denn
es waren noch viele andere Personen zugegen und diese sassen vor ihr am Boden:
sie auf der Bühne, die anderen im Zuschauerraum. Eine Frau, die den Dolmetscher
machen würde, ihr Ehemann, ein Typ, der mich stumm und misstrauisch studierte,
ein junger Mann mit einem lieben Gesicht und einem riesigem Schnurrbart, und
schliesslich Najat: die Dame des Hauses, welche das Treffen organisiert hatte.
Wie sie gehörten auch alle anderen Anwesenden der
Volksfront an, das heisst der maoistischen Bewegung, die sich bei ihrem Kampf von
der Fatah durch ihre Vorliebe für Sabotage- und Terroranschläge unterscheidet.
Im Gegensatz zu ihr, Raschida, waren alle anderen gut angezogen, freundlich und
gaben sich gut bürgerlich: Man hätte glauben können, sich in Rom und nicht in
Amman zu befinden, bei reichen Kommunisten vom letzten Schrei, sagen wir,
Typen, die vorgeben, gern für das Proletariat zu sterben, aber dann mit
Prinzessinnen ins Bett steigen. Die Dame, die den Dolmetscherin machen sollte,
liebt es in Rapallo Ferien zu machen, sie trug italienische Schuhe. Najat, eine
gut aussehende Brünette, die mit einem begüterten Ingenieur verheiratet ist,
war das raffinierteste Mädchen der Stadt: in einer Woche habe ich sie nie mit
dem selben Kleid gesehen, mit einem billigen Schmuck. Immer gut frisiert,
parfümiert, gut gekleidet mit einem Hosenanzug oder mit einem Minirock. Man
glaubte es nicht wenn sie sagte:“Ich bin ganz erschöpft, weil ich an den
Übungen teilgenommen habe, mir tut die Schulter weh, denn die Kalaschnikow hat
einen sehr harten Rückschlag“. An diesem Abend trug sie ein französisches Kleid
und ihr schickes Aussehen war so ausgesucht , das sie, im Vergleich zu ihr, der
Nonne in Uniform, noch hinreissender erschien. Vielleicht, weil man wusste, wer
sie war. Sie, die Nonne in Uniform, war diejenige, die am 21. Februar 1969 zwei
Bomben in einem Jerusalemer Supermarkt explodieren liess und damit ein Massaker
anrichtete. Sie war diejenige, die zehn Tage später einen dritten Sprengsatz
gebaut hatte, der in der Cafeteria der Hebräischen Universität explodieren
sollte. Sie war diejenige, wegen der die gesamte israelische Polizei drei
Monate lang mobilisiert worden war, was Gott weiss wie viele Verhaftungen,
Repressalien und Tragödien nach sich gezogen hatte. Sie war diejenige, welcher
die Volksfront die blutigsten Aufträge vorbehalten hatte. Dreiundzwanzig Jahre
alt, frühere Lehrerin an einer Schule. Ihre Photographie hing an jedem
Checkpoint: „Verhaften oder Erschiessen“. Eine Auszeichnung für eine Heldin. Ihre
unverfrorene, herausfordernde Stimme, paarte sich nun mit einem Ausdruck
grösster Zufriedenheit: die gleiche, die gewissen Stars zeigen, wenn sie es mit
neugierigen Journalisten zu tun haben. Ich setzte mich neben sie auf das Sofa,
liess jede übliche Einführung beiseite und schaltete mein Aufnahmegerät ein:
„Ich möchte Deine Geschichte kennenlernen, Raschida. Wo bist Du geboren, wer
sind Deine Eltern, wie bist Du dazu gekommen, das zu machen, was Du tust?“. Sie
zog ironisch eine Augenbraue hoch, holte ein Taschentuch aus der Tasche, putzte
sich ganz langsam die Nase und steckte das Taschentuch wieder weg, holte Luft
und begann zu erzählen.
„Ich
bin in Jerusalem geboren, meine Eltern waren wohlhabend, Konformisten, und
ziemlich resigniert. Sie taten niemals etwas um Palästina zu verteidigen und
haben mich niemals dazu angehalten zu kämpfen. Ausgenommen, dass sie mir ohne
bestimmte Absichten von ihrer Vergangenheit erzählten. Meine Mutter erzählte
wiederholt, dass man, wenn man mit dem Zug nach Jaffa fährt, vom Fenster aus
das Mittelmehr sieht, das so blau und so schön ist. Mein Vater, der immer
darüber klagte, wie er nachts mit meiner kleinen Schwester auf einem Arm und
mir auf dem anderen geflohen war, sprach von den politischen Parteien, die es
vor 1948 gegeben hatte, die samt und sonders daran schuld seien, weil sie die
Waffen gestreckt hätten, ausser seiner, die weniger Schuld habe und so weiter.
Und dann zeigte er mir unser früheres Haus auf der anderen Seite der
Demarkationslinie, auf israelischem Territorium. Man konnte es von unserem
Fenster aus sehen, und ich glaube, dass alles das mir geholfen hat. Bevor ich
zu Bett ging, schaute ich stets wütend hinüber und an Weihnachten sah ich die
Araber, die sich am Grenzübergang drängten, wenn sie zu ihren geflüchteten
Verwandten kamen. Sie weinten und verloren ihre Kinder, ihr Gepäck. Sie waren schlimm
dran, ohne Stolz, und ich spürte, dass ich etwas tun müsse. Dieses etwas
entdeckte ich 1962 als ich der nationalen arabischen Bewegung beitrat, der heutigen
Nationalen Volksfront. Ich war fünfzehn Jahre alt und meinen Eltern sagte ich
nichts davon. Sie hätten sich entsetzt, sie hätten es nicht verstanden. Im
Übrigen tat sich wenig: Zellensitzungen, politische Kurse, Demonstrationen, die
von den jordanischen Soldaten zerstreut wurden“.
Wie bist Du mit dieser Bewegung in Kontakt gekommen?
„In der
Schule. Sie suchten Anhänger unter den Schülern. Dann kam 1967, die Besetzung
Jerusalems, Jerichos und von Westjordanien. Damals war ich nicht dort, ich war
in Kuwait: ich unterrichtete dort an einer Mittelschule in einer Kleinstadt am
Golf. Ich war dazu gezwungen, denn in den jordanischen Schulen hatten wenig
Sympathie für palästinensische Lehrerinnen. Die Besetzung Jerusalems hat mich
in eine totale Starre versetzt. Ich war so gelähmt, dass ich für eine Weile
unfähig war um zu reagieren und ich brauchte Zeit, um zu verstehen, dass die
anderen arabischen Staaten kein Interesse an Palästina hatten und dass sie nie den
Finger krumm machen würden, um es zu befreien. Man musste das folglich selbst
tun. Warum sollte ich also in dieser Schule bleiben um den Kindern etwas
beizubringen? Ich mochte meine Arbeit sehr gern, verstehen wir uns richtig, für
mich war sie ein Vergnügen, aber es war notwendig, damit aufzuhören. Ich kündigte
und ging nach Amman, wo ich mich sofort bei der ersten Frauengruppe einschrieb,
die von der FPLP (Volksfront zur Befreiung Palästinas) ausgebildet wurde:
Mädchen zwischen achtzehn und fünfundzwanzig Jahren, Studentinnen oder
Lehrerinnen wie ich. Es war die Gruppe von Amina Dahbour, die in der Schweiz
wegen der Entführung einer El-AL-Maschine ins Gefängnis kam, von Laila Khaled,
die eine TWA-Maschine entführte und von Sheila Abu Mazal, die das erste Opfer
der zionistischen Barbarei wurde“.
Ich unterbrach sie: auch diesen Namen
kannte ich gut weil man sie überall als Heldin abgebildet sah und in den
westlichen Zeitungen hatte ich gelesen, dass sie aussergewöhnlichen Umständen
gestorben sei. Einer sagte bei Kämpfen, andere infolge von Folterungen.
Raschida,
wie ist Sheila Abu Mazal gestorben?
„Ein
Unglücksfall. Sie präparierte eine Bombe für einen Anschlag in Tel Aviv und die
Bombe explodierte ihr in der Hand“.
Warum?
„Einfach so“.
„Einfach so“.
Erzähl
mir von Deiner Ausbildung, Raschida.
„Nun. Sie war hart. Es brauchte viel Willenskraft dazu: Märsche, Übungen, Schwerstarbeit. Sheila wiederholte ständig: man muss zeigen, dass wir nicht weniger wert sind als die Männer. Und deshalb wählte ich dann einen Spezialkurs über Sprengkörper. Es handelte sich um einen Kurs, den man absolvieren musste um Geheimagent zu werden und, ausser praktischen Übungen mit Sprengstoffen, umfasste er Stunden in Topographie, in Photographie und Informationssammlung. Unsere Ausbilder zählten viel auf uns Frauen als Überraschungselement: bei einem arabischen Mädchen vermutet man gewisse Aktivitäten nicht. Ich lernte gut versteckt zu fotografieren, aber ganz besonders Sprengkörper mit Zeitzündung zu bauen. Mehr als alles andere wollte ich jedoch lernen Bomben zu legen, denn ich war immer eine von denen, die keine Angst haben. Schon als ich noch klein war, habe ich mich nie im Dunkeln gefürchtet. Die Kurse dauerten manchmal fünfzehn Tage, manchmal auch zwei Monate oder vier. Mein Kurs war lang, sehr lang, denn ich musste lernen, mich in den besetzten Gebieten zu bewegen. Ich überschritt den Fluss mehrmals zusammen mit meinen Kameradinnen. Zur damaligen Zeit war das nicht sehr schwierig, weil es noch keine fotoelektrischen Hindernisse gab, aber beim ersten Mal war es kein Vergnügen. Ich war angespannt und glaubte, dass ich sterben könnte. Aber bald war ich in der Lage Jerusalem zu erreichen und mich dort als Geheimagent einzurichten“.
„Nun. Sie war hart. Es brauchte viel Willenskraft dazu: Märsche, Übungen, Schwerstarbeit. Sheila wiederholte ständig: man muss zeigen, dass wir nicht weniger wert sind als die Männer. Und deshalb wählte ich dann einen Spezialkurs über Sprengkörper. Es handelte sich um einen Kurs, den man absolvieren musste um Geheimagent zu werden und, ausser praktischen Übungen mit Sprengstoffen, umfasste er Stunden in Topographie, in Photographie und Informationssammlung. Unsere Ausbilder zählten viel auf uns Frauen als Überraschungselement: bei einem arabischen Mädchen vermutet man gewisse Aktivitäten nicht. Ich lernte gut versteckt zu fotografieren, aber ganz besonders Sprengkörper mit Zeitzündung zu bauen. Mehr als alles andere wollte ich jedoch lernen Bomben zu legen, denn ich war immer eine von denen, die keine Angst haben. Schon als ich noch klein war, habe ich mich nie im Dunkeln gefürchtet. Die Kurse dauerten manchmal fünfzehn Tage, manchmal auch zwei Monate oder vier. Mein Kurs war lang, sehr lang, denn ich musste lernen, mich in den besetzten Gebieten zu bewegen. Ich überschritt den Fluss mehrmals zusammen mit meinen Kameradinnen. Zur damaligen Zeit war das nicht sehr schwierig, weil es noch keine fotoelektrischen Hindernisse gab, aber beim ersten Mal war es kein Vergnügen. Ich war angespannt und glaubte, dass ich sterben könnte. Aber bald war ich in der Lage Jerusalem zu erreichen und mich dort als Geheimagent einzurichten“.
Erzähl
mir von deinen zwei Bomben im Supermarkt, Raschida.
„Nun. Dies war die erste Aktion, der ich mich als Autor rühmen kann. Ich will damit sagen, ich habe sie mir ausgedacht, allein vorbereitet und bis zum letzten durchgeführt. Ich hatte bis dahin an vielen Sabotageaktionen teilgenommen und war in der Lage mich unauffällig zu bewegen. Und ausserdem hatte ich einen israelischen Ausweis mit dem ich an jedem Grenzposten nach Israel gelangen konnte ohne Verdacht zu erregen. Und weil ich nun wieder bei meinen Eltern wohnte, tauchte ich hin und wieder unter ohne Aufmerksamkeit zu erregen. Die Idee den Supermarkt anzugreifen kam mir vier Tage nach der Verhaftung von Amina in Zürich und dem Tod von Abdel. Wie Du Dich erinnerst, wurde Abdel bei einem Schusswechsel mit den Israelis erschossen. Man musste den Tod Abdels rächen und Moshe Dayan zeigen, dass er gelogen hatte: Moshe Dayan war der Meinung, dass die Volksfront im Ausland operiere, weil sie nicht in der Lage war, in Israel zu operieren. Und dann musste man auf ihre Bombardierungen von Irbid und Salt reagieren. Hatten sie dort Zivilpersonen getötet? Wir hätten jede Zivilperson getötet. Im Übrigen ist für uns ein Israeli keine Zivilperson, sondern ein Soldat und ein Mitglied der zionistischen Bande“.
„Nun. Dies war die erste Aktion, der ich mich als Autor rühmen kann. Ich will damit sagen, ich habe sie mir ausgedacht, allein vorbereitet und bis zum letzten durchgeführt. Ich hatte bis dahin an vielen Sabotageaktionen teilgenommen und war in der Lage mich unauffällig zu bewegen. Und ausserdem hatte ich einen israelischen Ausweis mit dem ich an jedem Grenzposten nach Israel gelangen konnte ohne Verdacht zu erregen. Und weil ich nun wieder bei meinen Eltern wohnte, tauchte ich hin und wieder unter ohne Aufmerksamkeit zu erregen. Die Idee den Supermarkt anzugreifen kam mir vier Tage nach der Verhaftung von Amina in Zürich und dem Tod von Abdel. Wie Du Dich erinnerst, wurde Abdel bei einem Schusswechsel mit den Israelis erschossen. Man musste den Tod Abdels rächen und Moshe Dayan zeigen, dass er gelogen hatte: Moshe Dayan war der Meinung, dass die Volksfront im Ausland operiere, weil sie nicht in der Lage war, in Israel zu operieren. Und dann musste man auf ihre Bombardierungen von Irbid und Salt reagieren. Hatten sie dort Zivilpersonen getötet? Wir hätten jede Zivilperson getötet. Im Übrigen ist für uns ein Israeli keine Zivilperson, sondern ein Soldat und ein Mitglied der zionistischen Bande“.
Auch wenn es ein Kind ist, Raschida? Auch wenn
es ein Neugeborenes ist?
(Ihre grünen Augen
füllten sich mit Hass. Mit wütender Stimme sagte sie etwas, das mir der
Dolmetscher nicht übersetzte, und sofort entbrannte eine lautstarke Diskussion,
an der sich alle beteiligten: auch Najat, auch der junge Mann mit dem lieben
Gesicht. Alle sprachen arabisch, und die Sätze schwirrten durcheinander wie bei
einer Rauferei, wobei oft der Name „Raschida“ fiel. Aber Raschida nahm davon
keine Notiz. Wie ein eigensinniges Kind schüttelte sie die Schultern und nur
als ihr Najat ein Machtwort zuraunte, beruhigte sie sich, lächelte frostig und
antwortete mir).
"Die Frage habe ich mir auch gestellt als ich meine
Übungen mit Sprengstoffen machte. Ich bin keine Verbrecherin und erinnere mich
an eine Geschichte, die ebenfalls in einem Supermarkt spielte. Eines Tages ging
ich als Vorhut dorthin. Dort waren zwei Kinder. Sehr kleine Kinder, sehr nette
Kinder. Juden. Instinktiv beugte ich mich zu ihnen hinunter und umarmte sie.
Und als ich sie umarmte fielen mir unsere Kinder ein, die, die sie in unseren
Dörfern getötet, mit Maschinenpistolen erschossen, mit Napalm verbrannt hatten.
Die, von denen sie sagten: gut wenn sie sterben, dann werden sie keine Fedajin.
Daraufhin stiess ich sie zurück und erhob mich. Und ich befahl mir: mache das
niemals wieder, Raschida, wenn die unsere Kinder töten, dann tötest du ihre. Im
Übrigen, sollten dann diese zwei Kinder sterben, oder andere, sagte ich zu mir,
dann bin nicht ich es gewesen, der sie getötet hat, sondern die Zionisten, die
mich dazu gebracht haben, Bomben zu werfen. Ich kämpfe für den Frieden und der
Frieden tut den Kindern gut. Wenn dann unsere richtige Revolution da ist, denn
das heute ist nur ein Anfang, werden viele, viele Kinder sterben. Je mehr
Kinder sterben, desto mehr Zionisten begreifen, dass der Moment gekommen ist,
das Land zu verlassen. Bist Du damit einverstanden? Habe ich nicht Recht?“.
Nein,
Raschida.
(Die
Diskussion begann von neuem, noch heftiger. Der junge Mann mit dem netten
Gesicht warf mir einen versöhnlichen, flehenden Blick zu. Es gab in seinem
Wesen etwas Heftiges und ich fragte mich, wer er sei. Später, nach einigen
Tassen Tee, ging das Interview weiter).
Warum hast Du ausgerechnet einen Supermarkt
gewählt, Raschida?
„Weil es ein günstiger Ort war,
immer voller Menschen. Während fast zwei Wochen ging ich täglich an
verschiedenen Stunden dorthin um zu sehen, wann die meisten Menschen dort waren.
Das war gegen elf Uhr vormittags. Ich studierte wann der Laden öffnete und wann
er schloss, die Orte, an denen sich die meisten Leute aufhielten, die Zeit, die
ich brauchte, um von meiner Basis aus, wo die Bombe oder die Bomben lagen, zu diesem
Laden zu gelangen. Wenn ich dorthin ging, zog ich mich immer so an, dass ich
wie ein israelisches Mädchen aussah und nicht wie eine Araberin. Oft zog ich einen Minirock an,
ein anderes Mal Hosen, ausserdem trug ich immer grosse Sonnenbrillen. Es war
interessant, ich entdeckte immer etwas Neues und Brauchbares, zum Beispiel dass
ich für den Weg zwischen meiner Basis und dem Supermarkt länger brauchte, wenn
ich eine schwere Dinge trug. Am Schluss war ich bereit und kaufte zwei grosse Marmeladedosen,
Fünfliterdosen. Genau die, die ich brauchte“.
Für die
Bomben?
„Richtig. Meine Idee war, die Dosen zu leeren, sie mit Sprengstoff zu füllen und sie wieder dorthin zu stellen, von wo ich sie genommen hatte. In jener Nacht ging ich nicht nachhause. Ich ging zu meiner Geheimbasis und mithilfe von ein paar Kameraden öffnete ich die Dosen. Ich entnahm ihnen fast die gesamte Marmelade und ersetzte sie durch Sprengstoff und einen Zeitzünder. Dann verschloss ich sie wieder, so dass niemand sehen konnte, dass sie geöffnet worden waren und …….“
„Richtig. Meine Idee war, die Dosen zu leeren, sie mit Sprengstoff zu füllen und sie wieder dorthin zu stellen, von wo ich sie genommen hatte. In jener Nacht ging ich nicht nachhause. Ich ging zu meiner Geheimbasis und mithilfe von ein paar Kameraden öffnete ich die Dosen. Ich entnahm ihnen fast die gesamte Marmelade und ersetzte sie durch Sprengstoff und einen Zeitzünder. Dann verschloss ich sie wieder, so dass niemand sehen konnte, dass sie geöffnet worden waren und …….“
Was für Marmelade war das, Raschida?
„Aprikosenmarmelade, warum?“
„Aprikosenmarmelade, warum?“
Nur so...
Ich werde nie wieder Aprikosenmarmelade essen. (Raschida lachte lauthals und musste husten). “Ich habe sie trotzdem gegessen. Sie war sehr gut.
Und nachdem ich sie gegessen hatte, bin ich schlafen gegangen“. Hast Du gut geschlafen, Raschida?
„Wie ein Engel. Um fünf Uhr früh
bin ich aufgewacht, ganz frisch. Ich habe mich elegant angezogen, Hosen à la Charleston,
solche, die am Oberschenkel eng anliegen und am Knöchel nach unten weiter werden, ich frisierte mich
sorgfältig, schminkte meine Augen und legte Lippenstift auf. Ich sah bezaubernd
aus und meine Kameraden riefen freudig ‚Raschida‘. Als ich fertig war, steckte
ich die Marmeladendosen in eine grosse Tasche, wie man sie über die Schulter
hängt. Die Israelinnen benutzen solche, wenn sie Einkäufe machen. Uh, was für eine
schwere Tasche! Ein richtiger Mühlstein? Der Sprengstoff wog etwa das Doppelte
der Marmelade. Deshalb gewöhnen sie einen bei der Ausbildung schwere Lasten zu
tragen“.
Wie
hast Du Dich dabei gefühlt, Raschida? Warst Du nervös oder ruhig?
„Ruhig, ich war glücklich. Die Tage zuvor war ich sehr
nervös gewesen, jetzt fühlte ich mich wie erleichtert. Und dann war es ein
schöner Morgen, voller Sonne. Ich sah darin ein gutes Omen. Abgesehen von dem
Gewicht der Tasche, ging ich leicht. Ich trug die Bomben wie einen
Blumenstrauss. Ja, ich habe Blumen gesagt. Die israelischen Soldaten am Grenzübergang
durchsuchten die Leute, aber ich lächelte ihnen kokett zu, und ohne eine
Aufforderung abzuwarten öffnete ich die Tasche: „Schalom, willst Du meine
Marmelade sehen?“. Sie schauten meine Marmelade an und sagten mir sehr
freundlich, ich könne weitergehen. Aber ich ging nicht schnurstracks zum
Supermarkt: wo ich vorher hinging, ist meine Sache und geht Dich nichts an.
Beim Supermarkt kam ich kurz nach neun Uhr an. Was meinst Du?
(Ich dachte an eine
Episode des Films ‚Der Kampf der Algerier’, an den, in welchem drei Frauen an
einem Vormittag aufbrechen um Sprengkörper an zivilen Objekten zu platzieren.
Eine der drei Frauen ist ein Mädchen, das Raschida ausserordentlich ähnlich
sah: klein, schlank und hosentragend. Als es den Kontrollpunkt passiert, zwinkert
sie den französischen Soldaten zu, macht die Kokette. Wer weiss, ob Raschida
den Film gesehen hat. Vielleicht. Ich wollte sie am Ende ihres Berichts dazu fragen,
aber dann habe ich es vergessen. (Oder vielleicht wollte ich es auch vergessen,
um früher fortzugehen. Ich dachte an nichts ……).
Was
geschah als Du den Supermarkt betratest, Raschida?
„Ich ging forsch hinein und
schnappte mir sofort einen Einkaufswagen. Im Supermarkt ist Selbstbedienung,
man bewegt sich also frei. Als erstes musste ich die zwei Marmeladendosen aus meiner Tasche
herausholen und in den Einkaufswagen legen. Das hatte ich schon probiert,
allerdings mit kleineren Objekten, nicht so schweren, mit grossen Dosen nie,
und für einen Augenblick dachte ich, ich könnte auffallen. Ich zwang mich deshalb zur Ruhe. Ich zwang mich
auch nicht hinzusehen, wenn mich jemand beobachten sollte. Es sollte alles ganz
zwanglos aussehen. Nun ging es darum, die Dosen an ihren Platz zu stellen, aber
nicht dorthin, wo ich sie weggenommen hatte, weil das kein guter Platz war. In
meiner Basis hatte ich die die beiden Bomben so eingestellt, dass sie im
Abstand von fünf Minuten explodieren, so dass eine fünf Minuten früher als die
andere explodiert. Ich entschied, die Bombe die als zweites explodieren sollte
im hinteren Teil des Ladens zu deponieren, die andere hingegen in der Nähe des
Eingangs, wo ein Regal mit Bierflaschen und Gläsern stand“.
Warum, Raschida?
„Weil die Tür aus Glas war wie
die Bierflaschen und Gläser. Bei der Explosion würden die Splitter überall
hinfliegen und das würde mehr Verletzte verursachen. Oder mehr Tote. Glas ist
fürchterlich: bei hoher Geschwindigkeit können die Splitter jemanden den Kopf
wegfegen und auch kleine Splitter sind oft schon tödlich. Und nicht nur das:
die erste Explosion würde den Eingang blockieren. Die Überlebenden würden sich
deshalb in der hinteren Teil flüchten und dort würde dann nach fünf Minuten die
zweite Bombe explodieren. Mit etwas Glück, wenn die Polizei sofort eingreifen
sollte, hätte die Bombe auch eine Menge der Polizisten getötet“.
Sie lachte fröhlich und
zufrieden, und das rief bei ihr einen neuen Hustenanfall hervor.
Nicht lachen, Raschida. Erzähl weiter.
„Immer
ohne darauf zu achten, ob man mich beobachten wurde, stellte ich die Dosen
dorthin, wo ich es beschlossen hatte. Ob das jemand gemerkt hat, weiss ich
nicht, ich war zu sehr auf meine Arbeit konzentriert. Ich erinnere mich nur an
einen hochgewachsenen Mann mit Hut, der mich starr anschaute. Aber ich glaubte,
er würde mich ansehen, weil ich ihm gefiel. Ich habe schon erwähnt, dass ich an
diesem Morgen sehr hübsch aussah. Dann, als die zweite Dose im Regal stand,
kaufte ich einige Dinge, um nicht ohne etwas den Laden zu verlassen. Ich kaufte
eine Schürze, zwei Tafeln Schokolade und anderes Zeugs. Ich wollte den Juden
nicht zu viel Geld lassen“.
Was war
das andere, das Du gekauft hast, Raschida?
„Eingelegte Gürkchen und eingelegte Zwiebelchen. Die mag ich sehr gern. Ich mag auch gern gefüllte Oliven. Aber was ist das, ein psychologischer Test?“
„Eingelegte Gürkchen und eingelegte Zwiebelchen. Die mag ich sehr gern. Ich mag auch gern gefüllte Oliven. Aber was ist das, ein psychologischer Test?“
Wenn Du
meinst. Und Du hast dann diese Gürkchen und Zwiebelchen gegessen?
„Natürlich. Ich brachte sie nachhause und habe sie
gegessen. Es war nicht gerade die Zeit für eine Vorspeise und meine Mutter
fragte, soweit ich mich erinnere: „Von wo stammen die?“ Und ich antwortete: ‚Vom
Markt‘. Aber was interessieren Dich diese Dinge? Kommen wir auf den Supermarkt
zurück. Ich hatte geplant, dass die ganze Angelegenheit fünfzehn Minuten dauern
würde. Und sie dauerte genau fünfzehn Minuten. Nachdem ich bezahlt hatte, kehrte
ich nachhause zurück. Dort frühstückte ich und ruhte mich aus. An das, was die
nächste Stunde passierte erinnere ich mich nicht. Gegen elf Uhr schaltete ich
das Radio ein um Nachrichten zu hören. Die Bomben hatte ich früh um sechs Uhr,
um sechs Uhr fünf, eingestellt, so dass sie fünf Stunden später explodieren
mussten. Die Explosionen mussten also gegen elf Uhr und elf Uhr und fünf
Minuten erfolgen: zur Stunde des grössten Andrangs. Ich stellte das Radio an,
um mich zu vergewissern und um zu hören ob auch Kinder getötet worden waren“
Vergiss
es, Raschida. Ich glaube Dir nicht, Raschida. Was sagte das Radio?
„Es sagte, dass ein Attentat in einem Supermarkt stattgefunden hat, wobei es zwei Tote und elf Verletzte gegeben hatte. Das gefiel mir nicht: nur zwei Tote. Ich ging auf die Strasse um die Wahrheit zu erfahren. Das israelische Radio sagt niemals die Wahrheit. In Wirklichkeit hatten die zwei Bomben siebenundzwanzig Tote und sechzig Verletzte verursacht, von denen fünfzehn schwer verletzt waren. Nun fühlte ich mich schon besser auch wenn ich nicht völlig zufrieden war. Die Militärexperten meiner Basis hatten mir gesagt, dass jede dieser Bomben jeden getötet hätte, der sich im Umkreis von fünfundzwanzig Metern befinden würde und, gegen elf Uhr vormittags, waren dort niemals weniger als dreihundertfünfzig Personen und etwa hundert Angestellte zugegen gewesen“.
„Es sagte, dass ein Attentat in einem Supermarkt stattgefunden hat, wobei es zwei Tote und elf Verletzte gegeben hatte. Das gefiel mir nicht: nur zwei Tote. Ich ging auf die Strasse um die Wahrheit zu erfahren. Das israelische Radio sagt niemals die Wahrheit. In Wirklichkeit hatten die zwei Bomben siebenundzwanzig Tote und sechzig Verletzte verursacht, von denen fünfzehn schwer verletzt waren. Nun fühlte ich mich schon besser auch wenn ich nicht völlig zufrieden war. Die Militärexperten meiner Basis hatten mir gesagt, dass jede dieser Bomben jeden getötet hätte, der sich im Umkreis von fünfundzwanzig Metern befinden würde und, gegen elf Uhr vormittags, waren dort niemals weniger als dreihundertfünfzig Personen und etwa hundert Angestellte zugegen gewesen“.
Raschida, hast Du nie Mitleid für diese Opfer
empfunden?
„Absolut
nicht. Die Art, wie sie uns behandeln, wie sie uns töten, schliesst jedes Mitleid
aus. Ich habe seit langem vergessen, was das Wort Mitleid bedeutet und mich
schmerzt es sogar, das Wort auszusprechen. Man sagt, dass in dem Laden auch
Araber waren. Das stört mich nicht. Wenn Araber dort waren, haben sie eine
Lektion erhalten, die ihnen sagt, dass man nicht in den Läden von Juden kauft,
dass man den Juden kein Geld bringt. Wir Araber haben unsere Läden und richtige
Araber kaufen dort“.
Raschida, was machtest Du nachdem Du
festgestellt hattest, dass das geschehen war, was Du wolltest?
„Ich
sagt zu meiner Mutter: „Mutti, ich gehe aus, komme aber bald zurück“. Und meine
Mutter antwortete: „OK, mach schnell und pass gut auf“. Ich schloss die Tür und
es war das letzte Mal, dass ich sie gesehen habe. Ich musste daran denken, mich
zu verstecken, mich nicht sehen zu lassen auch wenn sie meine Angehörigen
verhaften würden. Und sie wurden verhaftet. Sofort nachdem die Volksfront die
Verantwortung für das Attentat übernommen hatte, eilten die Israelis zu denen,
von denen sie wussten, dass sie Mitglieder der Volksfront waren. Sie besitzen viele genaue und gutgeführte Karteien:
eine Karteikarte von jedem von uns. Und unter denen, die sie verhafteten war
ein Genosse, der alles über mich wusste. Sie folterten ihn, aber er blieb drei
Tage standhaft: das ist normal. Drei Tage genügen, damit wir uns in Sicherheit
begeben können. Nach drei Tagen verriet er meinen Namen, und so kam die Polizei
um mich zu verhaften, aber sie traf mich nicht und brachte an meiner Stelle
meine Familie fort: Meinen Vater, meine Mutter, meine ältere Schwester und die
Kinder. Meine Mutter und die Kinder kamen bald wieder frei, meinen Vater
behielten sie hingegen drei Monate und meine Schwester noch länger. Es kam nie
zu einen Prozess, weil mein Vater und meine Schwester wirklich nichts wussten“.
Und was
machtest Du, Raschida?
„Ich erreichte die geheime Basis und bereitete die
Bombe für die Cafeteria der Hebräischen Universität vor. Das geschah am 2. März
aber ich konnte leider die Bombe nicht richtig platzieren und das Resultat war unbefriedigend.
Nur achtundzwanzig Studenten wurden verletzt und es gab keine Toten. Auf der
anderen Seite verschlechterten sich die Dinge für mich: meine Fotografie
erschien überall und die Polizei suchte mich auf noch hysterischer Art. Ich
musste die geheime Basis aufgeben und von diesem Moment an musste ich mich
allein arrangieren. Ich wechselte ständig die Wohnung und schlief nie am
gleichen Ort. Auf der Strasse hatte ich immer das Gefühl, dass man mir folgte.
Eines Tages verfolgte mich ein Auto im Schritttempo für etwa zwei Stunden. Sie
zögerten mich anzuhalten, auch weil ich mich stark verändert hatte und in
Lumpen gekleidet war. Mir gelang es, meine Spuren zu verwischen, und in einer
kleinen Strasse klopfte ich ganz verzweifelt an eine Tür. Es öffnete ein Mann
und ich begann zu weinen und sagte, das ich ganz allein auf der Welt sei und
bat, dass er mich aus Mitleid in seine Dienste nähme. Er erbarmte sich meiner,
nahm mich in Dienst und ich blieb dort zehn Tage. Am zehnten Tag, hielt ich es
für angebracht zu verschwinden. Ich war kaum aus dem Haus, da kam schon die israelische
Polizei und nahm ihn fest. In einem Prozess wurde er zu drei Jahren Haft
verurteilt, obwohl er nichts über mich wusste. Er befindet sich immer noch im
Gefängnis“.
Tut Dir
das leid, Raschida?
„Was
kann ich schon machen? Sie haben ihn ins Gefängnis gesperrt, nicht ich. Ich
habe leiden müssen: drei Monate haben sie auf mich Jagd gemacht“.
Ich
glaube das, denn Du hattest drei Bomben explodieren lassen! Und wie kamst Du
dann nach Jordanien, Raschida?
„Mit einer militanten Gruppe der Volksfront. Wir
passierten die Linien in der Nacht. Es war nicht einfach, wir mussten uns viele
Stunden im Fluss verstecken und ich schluckte eine Menge von dem dreckigen
Wasser. Ich bin immer noch krank davon. Aber trotzdem nehme ich an Operationen teil,
die von hier ausgehen. Das einzige was mit leid tut ist, dass ich keine Bomben
mehr in Israel legen kann“.
Tut es Dir
leid, dass Du Deine Eltern nicht mehr sehen kannst, dass Du sie ins Gefängnis
gebracht hast?
„Mein Privatleben tut nichts zur Sache, dort gibt es
keinen Platz für Gefühle und für Nostalgie. Ich habe meine Eltern für aufrechte
Leute gehalten und wir hatten unter uns immer ein gutes Verhältnis, aber es
gibt etwas, das für mich mehr zählt als sie: mein Vaterland. Das Gefängnis hat
sie aufgeweckt: sie ergeben sich nicht mehr in ihr Schicksal, sind nicht mehr
gleichgültig. Sie konnten zum Beispiel Jerusalem verlassen, sich in Sicherheit
begeben, aber sie wollen das nicht. Wir werden nie unser Land verlassen, sagen
sie. So Gott will …..“
Glaubst
Du an Gott, Raschida?
„Nein, ich denke nicht. Meine Religion ist immer
meine Heimat gewesen. Und zusammen mit ihr der Sozialismus. Ich muss die Dinge
immer wissenschaftlich erklären, und Gott lässt sich nicht wissenschaftlich
erklären, jedoch der Sozialismus. Ich glaube an den wissenschaftlichen
Sozialismus, an den Marxismus-Leninismus, den ich aufmerksam studiert habe.
Bald werde ich auch „Das Kapital“ lesen: in unserer Basis gehört es zum
Programm. Ich will es lesen bevor ich heirate“.
Du
heiratest, Raschida?
„Ja, in einem Monat. Mein Verlobter ist der dort“ (und sie zeigte auf den jungen Mann mit dem
lieben Gesicht. Er errötete leicht und schien in der Tiefe seines Sessels zu versinken)
Glückwunsch.
Du hattest gesagt, dass es in Deinem Leben keinen Platz für Gefühle gibt.
„Ich habe gesagt, dass ich die Dinge vom
wissenschaftlichen Standpunkt aus betrachte und meine Ehe ist die
wissenschaftlichste Sache, die Du Dir vorstellen kannst. Er ist Kommunist wie
ich, Fedajin wie ich: wir denken in allem und über alles in der gleichen Weise.
Ausserdem sind die Anziehung zwischen uns und ihre Erfüllung etwa nicht
wissenschaftlich? Die Ehe wird uns nicht davon abhalten zu kämpfen: wir werden
kein Haus bauen. Die Abmachung ist, wir treffen uns dreimal im Monat und nur
dann, wenn es unsere Pflichten als Fedajin gestatten. Wir wollen keine Kinder:
nicht nur weil ich als Schwangere nicht kämpfen kann – und mein grösster Traum
ist es an einer Schlacht teilzunehmen – sondern auch weil ich nicht der Meinung
bin, dass man in einer solchen Situation Kinder die Welt setzen sollte. Zu was?
Damit sie sterben oder Waisen werden?“
(Jetzt stand der Verlobte auf, er hiess Thaer, und,
mit einem Ausdruck als wolle er sich entschuldigen, kam er und setzte sich
neben mich. Er schaute mich mit seinen Lammaugen an, sprach mit leisester
Stimme, die süss war wie sein Gesicht. Er sagte, er kenne Raschida seit etwa
drei Jahren: als sie in Kuwait unterrichtete, und er an der Universität Psychologie
studierte. „Sie gefiel mir als Mensch, wegen ihrer Tugenden und wegen ihrer
Fehler. Nach dem Krieg von 1967 schrieb ich ihr einen Brief, um ihr mitzuteilen,
dass ich Fedajin werden würde, um ihr zu erklären, dass ich sie liebte, aber
auch dass Palästina für mich mehr zählen würde als meine Liebe zu ihr. Sie antwortete
mir: „Thaer, Du hattest mehr Vertrauen in mich als ich Vertrauen in Dich hatte,
denn Du hast mir gesagt, Du wolltest Fedajin werden und ich habe es Dir es nicht
gesagt. Wir haben das Gleiche vor, Thaer, und von diesem Moment an, betrachte
ich mich wirklich als Deine Verlobte“.
Ich
verstehe, Thaer. Aber was hättest Du gefühlt, wenn Du gewusst hättest, dass Raschida
siebenundzwanzig Personen getötet hat - ohne Gewehr?“.
Thaer holte Luft und rang die Hände als wolle er
mich bitten ihm mit Geduld zuzuhören: „Ich war stolz auf sie. Oh, ich weiss,
was Du fühlst, am Anfang dachte ich genauso wie Du, denn ich bin kein weicher
Typ, ein sentimentaler Mensch. Ich bin nicht wie Raschida. Meine Art Krieg zu
führen ist anders: ich schiesse auf den der auf mich schiesst. Aber seitdem ich
gesehen habe wie man unsere Dörfer bombardiert, habe ich mich geändert: ich
habe zu mir gesagt, es ist dumm, Skrupel zu haben. Wenn du nicht ein objektiver
Zuschauer wärst, sondern ein an der Tragödie Beteiligter, würdest du nicht um
die ohne Gewehr Getöteten trauern. Du würdest Raschida verstehen. Sicher ist es
schwer Rascida zu verstehen. Aber man sollte es versuchen, man muss Typen wie Raschida in den Camps
gesehen haben wo sie zu Kämpferinnen ausgebildet werden: Frauen die sich
aufopfern. Lange Reihen von Mädchen in graugrüner Uniform, die lernen, Tag und
Nacht auf steinigen Boden zu marschieren, über hohes Feuer aus Gummi und Benzin
zu springen, unter Stacheldrahtverhauen hindurchzukriechen, sich auf Seilen im
Gleichgewicht zu halten, die über Fallen gespannt sind, härteste Schiessübungen
durchzuhalten. Und wehe, wenn du einen
Fehler machst, wenn du das Ziel verfehlst, wenn der Sprung über das Feuer nicht
gelingt, wehe, wenn du im Stacheldraht hängen bleibst, wehe, wenn du sagt, du
könntest nicht mehr. Der Ausbilder aus Syrien, aus dem Irak oder aus China hat
keine Zeit sich mit kleinen Mädchen aufzuhalten. Wenn du Angst hast, oder zu
müde bist, oder dir ein Schuss zu nahe
am Ohr explodiert. Hast Du die Fotos gesehen. Soviel ich weiss, nicht einer der
Marines, der Spezialeinheiten in Vietnam, nicht einer der Soldaten der
israelischen Spezialeinheiten wird einer solch erbarmungslosen Ausbildung
unterzogen. Und von dort, glaub es mir, kommst du nur mit einem gestählten
Körper und einer völlig neuen Denkweise heraus“.
„Man sagt, dass sie in einigen Camps - ich habe das nicht selbst gesehen - die
Leute auch am Anblick von Blut gewöhnen.
Und weisst Du wie? Zuerst schiessen sie auf einen Hund und werfen ihn, wenn
er tödlich verwundet ist aber noch lebt, in ihre Arme und lassen dich rennen
ohne auf das Winseln des Tieres zu achten. Nach einer solchen Erfahrung - und das
ist bewiesen - ist dir jeder körperliche und seelische Schmerz völlig egal. Im
Camp Schneller habe ich eine Kämpferin kennengelernt, die Hanin, Nostalgie,
hiess. Ich fragte sie aus und sie erzählte mir, dass sie fünfundzwanzig Jahre
alt sei und einen sechsjährigen Jungen und eine zweijährige Tochter habe. Ich
fragte sie: „Wo hast Du sie gelassen, Hanin?“ Und sie antwortete mir: „Zuhause,
heute ist mein Mann dort“. „Und was macht Dein Mann?“. „Er ist Fedajin. Heute
hat er frei”. “Und wenn Dein Mann nicht zuhause ist?” “Hier oder dort”. „Hanin,
reicht ein Soldat nicht für eine Familie?“ „Nein, auch ich will über die Linien
gehen, auch ich will kämpfen“. Dann fingen wir an über andere Dinge zu
sprechen, über den Antiquitätenladen, den sie in Jerusalem besassen, über den
Umstand, dass es ihnen nicht an Geld mangelte und so weiter. Das Gespräch war
sehr interessant, es fand ganz auf Englisch statt, und ich achtete nicht weiter
auf den leichten Seufzer, der fast wie ein Wehklagen aus den Falten des Kuffiya
hervorkam. Ihre grossen schwarzen Augen blickten starr, ihre Stirn war leicht
gerunzelt, und ich dachte: die Arme, sie ist müde. Aber dann rief der
Ausbilder, denn es war die Zeit zum Zielscheibenschiessen gekommen. Hanin richtete
sich auf und beim Aufrichten entfuhr ihr ein kleiner Schrei, „Fühlst Du Dich
nicht wohl, Hanin?“ „Nein, es ist nichts. Ich glaube ich habe mir nur den Fuss
verrenkt. Aber jetzt muss ich ihn wieder einrenken. Ich erzähle Dir es, wenn
die Übung vorbei ist“. Und sie ging zu ihren Kameradinnen, entschlossen, mit
ihren verrenkten Fuss.
Um
Raschida zu verstehen, oder versuchen sie zu verstehen, muss man auch andere
Frauen gesehen haben, die im Krieg waren ohne eine Ausbildung gehabt zu haben,
die dem weissen Punkt des Todes gegenüber gestanden haben, denen bewusst war,
dass Grausamkeit zum Überleben notwendig ist. In einem anderen Lager lernte ich
Im Castro kennen, was heisst die „Mutter Castros“. Im ist der Appellativ, den
palästinensische Kämpfer den Frauen geben und Castro war der Name, den ihr
ältester Sohn ausgesucht hatte: Fedajin. Im Castro war eine robuste Frau von
etwa vierzig Jahren mit der Statur eines Boxers und dem Gesicht einer vom
Wetter verbrannten Madonna. Regen, Wind, Sonne, Wut, Hoffnungslosigkeit, alles
hatte ihre lehmfarbenen Muskeln geprägt, gestärkt und härter gemacht anstatt sie
zu schwächen. Diese Bäuerin aus Jericho war 1967 zusammen mit ihrem Mann, ihrem
Bruder, ihrem Schwager, zwei Söhnen und zwei Töchtern geflohen. Hierher war sie
über Karameh gekommen und lebte in einem Zelt in dem sie nichts anderes besass
als eine Decke und einen rudimentären Kocher mit zwei Töpfen. Ich fragte sie:
„Im Castro, wo ist Dein Mann?“ „Er ist in der Schlacht von Karameh (1) gefallen“.
„Und wo sind Deine Söhne?“. „An der Front. Sie sind Fedajin”. “Und wo sind
Deine Töchter?”. “Im Ausbildungslager um Kämpferinnen zu werden“. „Und Du
selbst?“. “Ich habe sie nicht nötig. Ich weiss mit einer Kalaschnikow
umzugehen, mit dem Carlow und diesen hier.“ Sie hob einen Lumpen hoch und
zeigte auf ein Dutzend Handgranaten. „Wo hast Du gelernt damit umzugehen, Im Castro?“.
“In Karameh, wo ich blutig bis zu den Knien gekämpft habe“. „Und vorher hattest
Du nie geschossen, Im Castro?“. „Nein, vorher baute ich Korn und Bohnen an“.
“Im Castro, was fühltest Du als Du einen Menschen getötet hast?“. „Eine grosse
Freude, dass Allah mir vergebe. Ich dachte: Du hast meinen Mann umgebracht,
jetzt bringe ich dich um“. „War es ein junger Mann?“. „Ja, ein sehr Junger“. “Und Du hast keine Angst, dass das Deinen
Söhnen auch geschehen könnte?”. „Wenn meine Söhne sterben solltenb, werden ich
denken, dass sie ihre Pflicht getan haben. Und ich werde nur weinen, weil ich
Witwe bin und keine weiteren Kinder gebären und Palästina schenken kann“. „Im
Castro, wer ist für Dich ein Held?“. „Held ist jeder, der mit einem
Maschinengewehr schiessen kann“.
Kriege und Revolutionen werden
nie von Frauen gemacht – Nachwort von Oriana Fallaci.
Es sind nicht die Frauen die sie wollen, es sind nicht die Frauen die
kommandieren, es sind nicht die Frauen, die in den Kampf ziehen. Die Kriege,
die Revolutionen sind das Dominium der Männer. Soweit sie nützlich sind und
gebraucht werden, dienen Frauen nur als Hintergrund, sind sie Verzierung, und
nicht einmal in unserer Zeit ist dieses unerschütterliche Gesetz geändert
worden. Ich denke an Algerien, ich denke an Vietnam, wo sie Teil der Bataillonen des
Vietkong sind, aber im Verhältnis von fünf zu zwanzig zu den Männern. Ich denke
auch an Israel, wo die Soldatinnen sehr populär sind, aber bei Kampfhandlungen
merkt man sie nur, wenn es sich um die Tochter von Mosche Dayan handelt. In
Palästina geschieht das Gleiche. Von den zweihunderttausend Palästinensern, die
Al-Fatah mobilisiert hat, sind etwa ein Drittel Frauen: Intellektuelle wie
Raschida, Mutter von Familien wie Hanin, Damen wie Najat, Bäuerinnen wie Im
Castro. Aber fast alle befinden sich in der Reserve oder warten auf ihren Gestellungsbefehl.
Ganz wenige nur leben in geheimen Ausbildungslagern und nur in Ausnahmefällen
beteiligen sie sich an Kämpfen. Zum Beispiel ist es bezeichnend, dass ich unter
den Fedajin an der Font nie eine Frau getroffen habe und dass die einzige, von
der man mir gesprochen hat, eine Vierundfünfzigjährige ist, die sich um die
Verpflegung der Gruppe Salt kümmert. Es ist ausserdem unzweifelhaft, dass die
einzige, die sich rühmen kann, zu Tode gekommen zu sein, diese Sheila ist, der
eine Bombe in der Hand explodiert ist. Wer Frauen im Widerstand einsetzt, das
sind die Kommunisten, die Rivalen von Al-Fatah, und diese setzen sie ohne zu Rücksicht
bei Sabotage- und Terroraktionen ein.
Der Grund ist einfach und intelligent. In einer Gesellschaft, in der Frauen
immer in Kamelen oder Kühen bewertet worden sind, jahrhundertlang abgesondert
gelebt haben, und nur eine Rolle als Ehefrauen, Mütter und Dienstmädchen gespielt
haben, erwartet sich niemand von einer Frau, dass sie ein Flugzeug entführt,
eine Bombe legt oder ein Gewehr handhabt. Abla Taha, die Kämpferin, von der man
auch bei den Vereinten Nationen gesprochen hat und zwar wegen der Torturen, die
sie erdulden musste obwohl sie schwanger war, hat erzählt: „Als man mich an der
Allanby-Brücke festnahm, weil ich Sprengstoff mit mir führte, waren die
Israelis nicht etwa wegen des Sprengstoffs überrascht. Sie waren vor allem überrascht,
weil sie den Sprengstoff bei einer Frau gefunden hatten. Für sie war es unvorstellbar,
dass eine Araberin ihren Schleier ablegt und in den Krieg zu zieht.
Raschida selbst hat erklärt, dass bei ihrer Ausbildung
die Frauen als „Überraschungselement“ eingesetzt wurden. Aber das
Eigentlich, zu dem ich gelangen wollte, ist die Moral der Geschichte. Es ist
die Überraschung, auf welche die Männer des palästinensischen Widerstandes
zählen, um den Feind zu verwirren. Sie selbst waren davon überrascht. „Alles
glaubten wir“, hat mit ein Offizier der Fedajin-Miliz bekannt, „ausser dass die
Frauen unserem Aufruf nachkommen würden. Jetzt sind es nicht mehr wir, die versuchen
sie zu rekrutieren, sie melden sich freiwillig um in den Krieg zu ziehen“. „Und
wie erklären Sie sich das?“, fragte ich ihn. Der Offizier war nicht dumm. Er
verzog sein Gesicht halb belustigt, halb verärgert und sagte: „Das wissen Sie besser
als ich, Vaterlandsliebe hat nur teilweise damit zu tun, der Grund ist nicht
Idealismus. Eh, ja, es handelt sich um eine Form von Feminismus. Wir Männer
haben sie hinter eine eiserne Tür eingeschlossen, der Wiederstand hat diese Tür
einen Spalt weit geöffnet und sie sind geflüchtet. Sie haben verstanden, dass
das für sie die grosse Gelegenheit ist und sie haben sie sich nicht entgehen
lassen. Ich sage Ihnen eins, etwas, dass die Frauen nie zugeben werden, weil es
eine Wahrheit ist, die in ihr Unterbewusstsein eingedrungen ist: wenn sie den
zionistischen Eindringling bekämpfen, dann zerreissen sie zugleich die Ketten,
die ihnen ihre Väter, ihre Ehemänner, ihre Brüder angelegt haben - die Männer
im allgemeinen. „Und sind sie wirklich gut?“ “Oh, ja. Besser als die Männer,
weil sie kein Erbarmen kennen. Ziemlich einleuchtend, wenn man sich daran
erinnert, dass ihr Feind zwei Gesichter hat: das der Israelis und unseres“.
„Und glauben Sie, dass sie gewinnen werden?“. „Ich weiss es nicht. Das hängt
vom politischen Regime ab, das ein unabhängiges Palästina haben wird. Verstehen
Sie, was ich sagen will?“
Er wollte das sagen, was Raschida stumm zum Ausdruck
gebracht hat. Die arabische Gesellschaft ist nicht geneigt, das Tabu der
Frauen und der Familie aufzugeben. Die muslimische Tradition sind in den
Männern des Mittleren Osten zu fest verwurzelt. Um sie auszuhebeln braucht es
einen Krieg oder einen technologischen Fortschritt, der zusammen mit dem Krieg kommt.
Solange eine heroische Atmosphäre herrscht, ein Ausnahmezustand, kann es den
Eindruck erwecken, dass sich alles ändert, aber, sobald es Frieden gibt, entstehen
die alten Realitäten augenblicklich wieder. Man hat das in Algerien gesehen, wo
die Frauen den Widerstand mit einem nie vorher gesehenen Mut mitgemacht haben
und dann wieder ins Dunkel zurückfielen. Wer herrscht heute in Algerien? Die
Männer oder die Frauen? Welche Autorität haben die Raschidas, die einmal Bomben
legten? Selbst die ehemaligen Guerillakämpfer haben einfache Mädchen
geheiratet, die keinerlei militärische oder politische Verdienste vorweisen können.
Mohammed ist sehr dauerhaft, viel dauerhafter als Konfuzius. Alles das lässt
glauben, dass die Palästinenser, obwohl sie die am stärksten europäisierten und
modernsten Araber sind, in Zukunft die gleiche Wahl treffen und die gleiche
Ungerechtigkeit gegenüber den Frauen begehen wie die Algerier: „Seid mutig,
schiesst kräftig, helft, aber dann zurück an den Herd“. Aber ganz tief in ihrem
Innern wissen das die palästinensischen Frauen und, weil die Geschichte nicht
nur das algerische Beispiel bietet, bringen sie sich schon heute in Sicherheit.
Wie? Indem sie sich auf die Seite derjenigen schlagen, die die maoistische
Ideologie umarmen: das heisst auf die Seite der Volksfront von Georges Habasch.
In China haben die Frauen nicht wieder Geschirr
gewaschen. Sie sind dort ebenfalls an der Macht, sie haben gewonnen. Um
zu gewinnen muss man jedes Gefühl ausschalten, Altersheime, Kinderspitäler oder
einen Supermarkt anzünden? Vielleicht. Um zu gewinnen ist es notwendig sich
hässlich zu machen, die Eltern zu opfern, an den wissenschaftlichen Sozialismus
zu glauben, gehasst zu werden? Vielleicht. Das, was zählt ist, keine Tränen im
Dunkeln zu vergiessen wie die algerischen Frauen, wenn der Frieden wieder einkehrt.
Das was zählt ist das Nichtwiederanlegen des Schleiers wenn die Männer in der
Lage sind, sich allein zu arrangieren, wie immer und allein. Es mag paradox
erscheinen, aber vielleicht ist es so. Als sie aus den zwei Dosen die Marmelade
herausnahm und sie durch Sprengstoff ersetzte, hat Raschida nichts anderes
gemacht als sich eine Zukunft geschaffen. Im Grunde sind die die siebenundzwanzig
Menschen, die sie in Jerusalem massakriert hat, gestorben damit sie, Raschida, den
Schleier für immer ablegen konnte und mit ihm das liebe Gesicht ihres
Verlobten, des unerfahrenen Thaer, einzuhüllen.
Amman, März 1970
(1)
Karameh ist ein Ort in Jordanien, in der Nähe der
Allenby-Brücke über den Jordan, wo am 21. März 1968 ein militärischer Zusammenstoss
zwischen den Fedajin der Al-Fatah und den Israelischen Verteidigungskräften
(IDF) stattfand, wobei die Fedayin einen beachtlichen Erfolg davontrugen. 1968
war in Karameh das Hauptquartier der Al-Fatah von Yassir Arafat. Der Umfang des
Gefechts rechtfertigt jedoch nicht die grosse Bedeutung, die ihm von der
palästinensischen Widerstandsbewegung beigemessen wird. Es handelt sich allerdings
um den ersten militärischen Erfolg der Palästinenser nach 1948.
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