lunedì 17 novembre 2014

An die Pazifisten


Meine Damen und Herren Pazifisten (angesichts eures martialischen Kampfgeistes  sollte ich euch wohl lieber Kriegsliebhaber nennen). Was meint ihr wenn ihr von „Friede“ redet? Eine utopische Welt in der sich alle wohlgesinnt sind, so wie es nach eurer Meinung Jesus gern gesehen hätte? Doch der war leider keineswegs Pazifist. („Glaubt nicht ich sei gekommen um den Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen um Frieden zu bringen. Ich bin gekommen um ein Schwert zu bringen. Ich bin gekommen um den Sohn vom Vater zu trennen, die Tochter von der Mutter, die Schwiegertochter von der Schwiegermutter“. Matthäusevangelium, Kap.10, Vers 34-35). Und was meint ihr, wenn ihr von “Krieg” redet? Nur den Krieg, der mit Panzern, Kanonen , Hubschraubern und Flugzeugen geführt wird, oder auch den Krieg mit Sprengstoffgürteln und Kamikaze-Einsätzen, die in der Lage sind auf einem Schlag dreitausendfünfhundert Menschen umzubringen?

Ich richte diese Frage vor allem an die Pfarrer und Prälaten der Katholischen Kirche, einer Kirche die in dieser Angelegenheit die erste ist, die mit zweierlei Gewichten und zweierlei Massen misst. Die, abgesehen von den Scheiterhaufen für Ketzer, uns jahrhundertlang mit ihren Kriegen beschmutzt hat; die kriegerische Päpste, die wie Mohammed, Menschen abschlachten liessen, in Hülle und Fülle hervorgebracht hat. Und die heute glaubt, mit ihren Krokodilstränen und ihren Enzykliken Pacem in Terris, ihre Jungfräulichkeit wiedererlangen zu können, etwas, was nicht einmal den Schönheitschirurgen Hollywoods gelingen dürfte. Aber vor allem richte ich diese Frage an die Heuchler, die ihre Regenbogenfahnen nie schwingen, um den Krieg der Terroristen mit ihren Sprenggürtel und ferngezündeten Autobomben zu denunzieren. Die Frage richte ich auch an die Schwätzer, die, in gutem oder schlechtem Glauben, die Schuld am Krieg sofort und bedenkenlos den Amerikanern und den Israelis in die Schuhe schieben; und damit unbewusst (weil ungebildet) einen Schwachsinn Kants nachbeten.

1795 veröffentlichte Immanuel Kant eine demagogische Abhandlung mit dem Titel “Zum ewigen Frieden” . Demagogisch deshalb, weil er ohne Berücksichtigung der Tatsachen, die sich vor seinen Augen abspielten, behauptete, das es die Monarchien seien, welche die Kriege entfesseln und führen. Folglich könnten den Frieden nur Republiken bringen. Und genau in jenem Jahre 1795 führte das republikanische Frankreich, das Frankreich der französischen Revolution, das Frankreich, welches Louis XVI. und Marie Antoinette guillotinieren liess und folglich die Monarchie abgeschafft hatte, einen Krieg gegen die Monarchien Österreich und Preussen, einen Krieg, den Frankreich drei Jahre zuvor selbst erklärt hatte. Es führte auch einen Krieg in der Vendée, einen rachsüchtigen Bruderkrieg, den die Revolution begonnen hatte und der sich gegen die Katholiken und Monarchisten (meistens Bauern und Waldarbeiter) der Vendée richtete. In jenem Jahr debütierte in Paris gerade der Mann, der im Namen von Liberté-Egalité-Fraternité den Krieg in alle Ecken Europas und bis nach Ägypten und Russland tragen sollte, der damalige Superrepublikaner Napoleon Bonaparte. Dieser debütierte in der Rolle eines Generals, indem er im Auftrag des Direktoriums jedes Aufmucken der Monarchisten unterdrückte.

Potztausend. Und seitdem lassen die Opportunisten da und dort ihrem Einbahn-Pazifismus à la Kant freie Bahn, und beschreiten mit unverschämter Unbekümmertheit den Kriegspfad.  Vielleicht singen sie sogar dazu ein Lied der linken Partisanen, weil Revolution ja ein Krieg ist, ja meine Lieben, ein Krieg. Ein Bürgerkrieg und ein solcher ist noch viel grausamer als ein normaler Krieg. In der Geschichte des Menschen waren alle Revolutionen Bürgerkriege.  Nehmen wir nur die jüngere Geschichte: ich denke da an die russische Revolution oder an die in China. Ich denke an den spanischen Bürgerkrieg und an den Krieg in Vietnam, der in jeder Hinsicht ein Bürgerkrieg war, und wer das nicht zugeben will, ist entweder unehrlich oder ein Idiot. Ich denke an den Krieg in Kambodscha, der genau dasselbe war. Ich denke an die Metzeleien, mit denen sich die Völker Afrikas seit Jahrzehnten selbstzerstörerisch bekriegen. Ich denke schliesslich auch an den Bürgerkrieg (aus moralischer Sicht ein Bürgerkrieg), den einen guter Teil unserer westlichen Welt gegen genau diese westliche Welt führt……

Plato sagt, dass der Krieg existiert und dass es ihn immer geben wird, weil er aus den Leidenschaften der Menschen hervorgeht. Man kann sich ihm nicht entziehen, weil er in der Natur des Menschen begründet ist, d.h. in unserer Neigung zum Jähzorn und zur Gewalt, in unserem Bestreben uns behaupten und vorherrschen zu wollen. Ganz sicher sagt er das Richtige. Aber wenn ich darüber nachdenke, ist jede unserer Handlungen kriegerisch. Jede unserer täglichen Handlungen ist eine Art Krieg gegen jemanden oder gegen etwas. Die berufliche und politische Rivalität, zum Beispiel, ist eine Art Krieg. Der Wettbewerb in allen seinen Aspekten ist eine Art Krieg. Sportwettkämpfe sind eine Art Krieg. Und gewisse Sportarten sind echte Kriege; eingeschlossen Fussball, den ich nie geliebt habe, weil es mich ungeheuer stört, zuzusehen wie zweiundzwanzig junge Männer sich knuffen, treten und wehtun, um sich gegenseitig den Ball wegzunehmen. Und keiner spreche mit vom Boxen und von Wrestling. Das Schauspiel zweier Männer, die sich prügeln, die Nase und die Fresse zerschlagen, sich die Arme und Beine ausrenken, den Hals umdrehen, erschreckt mich.

Plato irrt, wenn er sagt, dass der Krieg aus den Leidenschaften der Menschen entsteht, dass nur Menschen Krieg machen und fertig. Der Löwe, der die Gazelle jagt, sie mit den Zähnen an der Gurgel packt, sie zerfleischt, vollbringt eine kriegerische Handlung. Ein Vögelchen, das sich auf einen Wurm stürzt, ihn mit dem Schnabel erfasst und ihn lebend verschlingt, vollbringt eine kriegerische Handlung. Ein Fisch, der einen anderen Fisch verspeist, ein Insekt, das ein anderes Insekt verspeist, eine Samenzelle, die einer anderen Samenzelle den Rang abläuft, vollbringt eine kriegerische Handlung. Und desgleichen die Brennnessel, die sich in einem Weizenfeld verbreitet. Desgleichen das Efeu, das sich einen Baum ringelt und ihn erstickt. Der Krieg ist kein Fluch, der unserer Natur steckt, er ist ein Fluch, der im Leben an sich steckt. Wir können dem Krieg nicht ausweichen, weil der Krieg ein Teil allen Lebens ist. Das erscheint monströs, dem stimme ich zu. So monströs, dass mein Atheismus hauptsächlich aus dieser Erkenntnis kommt, d.h. ich kann mir keinen Gott vorstellen, der eine Welt erschaffen hat, in der das Leben das Leben tötet, das Leben auffrisst, eine Welt, in der man um zu überleben,  töten und andere Lebewesen essen muss, sei es nun ein Hühnchen, eine Muschel oder eine Tomate. Wenn diese Notwendigkeit sich wirklich ein Schöpfergott ausgedacht hätte, dann müsste ich sagen, dass das es sich um einen echt bösartigen Gott handelt.

Ich glaube jedoch auch nicht an den Masochismus des Auch-die-andere-Wange-Hinhaltens. Und wenn eine Brennnessel meinen Acker befällt oder wenn Efeu mich erstickt, oder ein Insekt mich sticht oder ein Löwe mich beissen will oder ein anderer Mensch mich angreift, wehre ich mich. Ich nehme den Krieg an, ich kämpfe. Und das mache ich mit der Waffe, die mir eigen ist und die ich stets mit mir führe, und die ich ohne Vorbehalt und Ängstlichkeit benutze, wirklich. Ich meine die unblutige Waffe meiner Gedanken, die ich mit meinen Worten ausdrücke, mittels meiner Ideen und Prinzipien, was mich vom Tier und von der Pflanze unterscheidet. Aber wenn das nicht reicht, bin ich bereit noch mehr zu machen. So wie ich es als junges Mädchen gemacht habe, wenn die Brennnessel mein Land besetzte, wenn der Efeu es erstickte. Und kein Hanswurst, der mich auf der Strasse dumm anpöpelt, kein Landsknecht, der mein Bild im Fernsehen beschmutzt, keine blöde Gans, die mich mit dem Helm auf dem Kopf abbildet und sich über meine Krankheit lustig macht, wird mich davon abhalten. Keine Demonstration von Schwätzern, die Plakate mit der Aufschrift „Oriana-Hure“ oder „Fallaci-Kriegstreiberin“ hoch halten, wird mir Angst einjagen und mich zum Schweigen bringen. Kein Sohn Allahs, der dazu auffordert die ungläubige Hündin zu bestrafen, wird es gelingen mich zu erschrecken, mich zu ermüden. Niemals. selbst jetzt nicht wo ich mich am Abend meines Lebens befinde, und nicht mehr die physische Kraft meiner Jugend besitze, denn ich gedenke diesen Abend zu leben, bis zum letzten Tropfen zu trinken.

 

 

[Anm. des Redaktors: Mit der Sicht Oriana Fallacis bezüglich des Krieges bin ich nicht einverstanden, denn ich unterscheide zwischen Krieg und normaler Gewalttätigkeit, Gewaltanwendung. Wie Plato sehe ich im Krieg eine spezifisch menschliche Handlung. Er hängt mit dem menschlichen Hang zu Rechthaberei, Überheblichkeit, Herrschsucht, Neid, Hass und Habsucht zusammen. Kriege fangen häufig an, weil jemand seine Ideen mit Gewalt durchsetzen will (einen Glauben, eine Ideologie wie zum Beispiel den Kommunismus, den Islam oder den Nazismus). Dieses Durchsetzen mittels Gewalt geht meistens auch mit Habsucht einher. Man will dem Gegner etwas wegnehmen und ihn dadurch schwächen. Im Tierreich hingegen kultiviert niemand Ideen und kämpft niemand für Ideen. Kein Tier tötet aus reinem Spass wie es manche Menschen tun, sondern aus Notwendigkeit, um sich zu ernähren. Rivalitäten zwischen Individuen der gleichen Art werden meistens friedlich beigelegt. Der Schwächere (Klügere?) gibt nach. Die Natur lässt sich eben nicht mittels menschlichen Kategorien (positiv, negativ, gut, böse) bewerten. Kriege sind nicht unausweichlich. Zivilisierte und wohlhabende Staaten sind wohl in der Lage ihre Probleme friedlich zu lösen. Auch weil sie in der Regel keine extremen Positionen einnehmen und verteidigen.]

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