lunedì 17 novembre 2014

Wasser für Arabien


Im August 1975, also zwei Monate nach der Resolution von Strassburg und der Konferenz von Kairo, habe ich den Erdölminister von Saudi Arabien, Zaki Jamani, interviewt, den Scheich der das Embargo von 1973 geleitet hatte und der mehr als jeder andere Arafat finanziert hat. Oh, es gibt viele Dinge über Jamani zu erzählen, die ich nie vergessen werde. In erster Linie, die listigen Prüfungen, die er mich in gut fünf Vorabreffen unterzogen hat (London, Djidda, Riad, Damaskus, Beirut) bevor er mir das Interview in seiner Residenz in Taif gewährte. Dann die Geschicklichkeit, mit der er am Flughafen von Djidda vermied, dass ich seinem Freund Arafat begegnete, der sich gerade dort aufhielt. Das Entsetzen, als er mir die Enthauptung (ausgeführt mit einem goldenen Schwert) des jungen Prinzen schilderte, der König Faisal ermordet hatte. Die Scheinheiligkeit, mit der er meine Freundschaft suchte, indem er mir die schlechten Feigen seines Gartens zum Kosten gab. Das Schafsauge (es scheint sich um eine Köstlichkeit zu handeln), welches ich ebenfalls kosten sollte. Gott, was für ein Entsetzen. Die Eleganz, mit der er mir, dem Koran zum Trotz, Champagner anbot, von dem der Keller seiner Villa in Taif voll war. Die Tatsache, dass er, um mir meinen Atheismus auszutreiben, mich nach Mekka bringen wollte (natürlich gut verschleiert mit einem Burka). Und das traurige Lied, das seine Tochter Maha jeden Abend zur Gitarre sang: “Take me away! Please, take me away!”. Aber das Unvergesslichste war seine Idee, als die Sprache vom Erdöl aufs Thema Wasser abglitt, zum König Midas, der am verdursten ist und Wasser kaufen will.  „Vor Tausenden von Jahren“, sagte er mir, „gab es bei uns in Arabien Flüsse und Seen. Diese sind verdunstet und heute haben wir weder einen Fluss, noch einen See. Machen sie einen Rundflug im Hubschrauber, dann entdecken sie höchstens irgendeinen trocknen Bach in den Bergen. Seit Mohammeds Zeiten hängen wir vom Regen ab und das ist alles. Seit hundert Jahren regnet es kaum noch und seit fünfundzwanzig überhaupt nicht mehr. Die Wolken werden von der Vegetation angezogen aber bei uns gibt es keine Vegetation. Klar, unter der Erde gibt es Wasser. Jedoch sehr, sehr tief unter der Erde. Viel tiefer als das Erdöl. Und wenn wir es anbohren, dann spritzt als erstes Erdöl heraus. Deshalb haben wir uns entschieden, es nicht anzurühren, es dort zu lassen, wo es ist, für die Zeit, wenn wir weniger Geld haben werden. Deshalb benutzen wir entsalztes Meerwasser. Das entsalzte Meerwasser reicht jedoch nicht aus. Deshalb will ich Süsswasser kaufen und zwar von den Ländern an die wir unser Erdöl verkaufen. Es kaufen und in grosse Plastikbehälter füllen und es bei uns in künstlichen Seen speichern. Wenn die Tankschiffe ihr Erdöl gelöscht haben, fahren sie zurück. Aber sie können nicht leer zurückfahren, denn wenn sie leer zurückfahren besteht die Gefahr, dass sie kentern. Und um sie nicht leer zurückfahren zu lassen, füllen wir sie mit Meerwasser, mit Schmutzwasser und das ist reine Vergeudung. Und auch ein Fehler, denn wenn sie ankommen wird das Wasser abgelassen und verschmutzt unsere Küsten. Und tötet die Fische. Süsswasser kostet Geld und künstliche Seen kosten noch mehr. Aber Geld haben wir im Überfluss. In den zwei Jahren seit dem Embargo haben wir so viel Geld angehäuft, dass wir jetzt das Problem haben, es auszugeben. Und wo geben wie es aus, wenn nicht im Westen, in Europa? Und wer muss uns dabei helfen: der Westen, Europa. Ich habe einen Plan, der es mir erlaubt, in fünf Jahren 140 Milliarden Dollar auszugeben. Und wenn dieser nicht realisiert wird, sind wir ruiniert. Es lohnt sich also für uns euer Wasser zu kaufen …..“.

Gut, dieses Wasser haben wir ihnen nicht verkauft. Das Wasser um die künstlichen Seen in Arabien zu füllen, meine ich. Das Wörterbuch definiert Wasser als „eine transparente, farblose, geruchlose Flüssigkeit, die aus Wasserstoff und Sauerstoff besteht und von der jedes pflanzliche und  tierische Leben abhängt; in der Chemie wird es mit der Formel  H2O bezeichnet“. Wir haben ihnen jedoch ein ebenso wertvolles Wasser verkauft, ein Wasser, das wir genauso benötigen wie das der Flüsse und Quellen. Ein Wasser, ohne das ein Volk abstirbt wie ein Baum, der niemals vom Regen benetzt wird, der an einem gewissen Punkt abstirbt, keine Blüten und keine Früchte mehr hervorbringt und zu Brennholz wird. Das Wasser unserer Prinzipien, unserer Werte, unserer Errungenschaften. Das Wasser unserer Kultur, unserer Geschichte. Das Wasser unseres Wesens, unserer Zivilisation. Das Wasser unserer Identität.

Aus: “Die Kraft der Vernunft”  - Kapitel 6

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