Europa, das gefangen ist in
seiner Trägheit und das brennt wie das alte Troja, hat jene Krankheit hervorgebracht, die im
letzten Jahrhundert in Italien Faschisten auch aus jenen Italienern gemacht
hat, die keine Faschisten waren, in Deutschland Nazis auch jenen Deutschen, die
keine Nazis waren und in Russland Bolschewisten auch aus jenen Russen, die
keine Bolschewisten waren: Angst. Angst, die heute zu Verrätern macht, die eigentlich
keine sein wollen. Es ist eine tödliche Krankheit, die Angst. Eine Krankheit,
genährt von Opportunismus, Konformismus,
Wendehalsigkeit und natürlich von Feigheit, eine Krankheit, die mehr
Opfer mäht als der Krebs. Eine Krankheit, die im Gegensatz zum Krebs ansteckend
ist und jeden anfällt, den sie auf ihrem Weg begegnet. Ich habe furchtbare
Dinge gesehen in diesen letzten Jahren, hervorgerufen durch Angst. Ich habe
Führungspersönlichkeiten gesehen, die normalerweise anmassend sind und
auftrumpfen und die nun die weisse Fahne gehisst haben. Ich habe Liberale
gesehen, die sich immer als Paladine des Laizismus ausgegeben haben und die nun
aus Angst begonnen haben, Loblieder auf den Koran zu singen. Ich habe Freunde
oder sogenannte Freunde gesehen, die sich, wenn auch mit einigen Reserven, auf
meine Seite gestellt hatten und die nun aus Angst einen Rückzieher gemacht
haben und sich nun selbst zensieren. Aber das Schlimmste, das ich gesehen habe, ist die Angst derjenigen, welche
von Amts wegen dazu aufgerufen sind, die Gedanken und Redefreiheit zu
beschützen.
Letzten
Sommer, in Florenz, hatte Don Roberto Tassi, Pfarrer von Santa Margherita (die
kleine Kirche, in der 1274 Dante Alighieri zum ersten Mal Beatrice begegnete)
zwei bewegend Schilder aufgestellt. Eines vor dem Hochalter. Darauf war
geschrieben: „Sei gegrüsst oh Kreuz, unsere einzige Hoffnung! Hier wollen uns
alle zerstören“. Und ein anderes auf dem Platz vor der Kirche, das, zusammen
mit einem Bild der Twin Towers kurz bevor diese zusammenfielen, folgenden
Syllogismus wiedergab: „Der Islam ist Theokratie. Und Theokratie verträgt sich
nicht mit Demokratie. Ergo ist der Islam gegen die Demokratie“. Don Tassi ist
ein sehr sympathischer Pfarrer. Um zu verstehen wie sympathisch er ist, genügt
es zu wissen, dass er liturgische Gewänder nur anzieht, wenn er die Messe liest
oder vor Ostern die Häuser segnet. Ansonsten ist er angezogen wie ein Bauer auf
dem Land. Es genügt auch zu hören, was er am Sonntag in der Predigt sagt:
„Kinder! Der Atheismus hat der Kirche einen grossen Dienst geleistet. Denn er
hat ihr die weltliche Macht genommen und sie dadurch gezwungen, sich nur um
Gott zu kümmern“. Oder: „Von wegen Engel und Erzengel, die im Himmel
herumflattern und Bücher diktieren, einschliesslich dasjenige des Kameltreibers
(Anm.d.R. Mohammed). Engel gibt es nicht. Es gibt nur Jesus Christus, Sohn
unseres Herrn und Lehrer der Freiheit“. Oder: „Sagen wir es klar und deutlich.
Die Demokratie hat dem Menschen die Augen geöffnet. Das, was er im Herzen hat,
hat er auf der Zunge. Und unter den Wahrheiten, die er im Herzen und folglich
auf der Zunge hat, ist diejenige über den Islam. Ein Thema, in dem er sich
bestens auskennt. Seine ärmliche Wohnung, in der er ohne Haushälterin und ohne
Küster lebt, ohne jemand der ihm die Teller abwäscht oder das Kirche auskehrt,
ist vollgestopft mit Büchern und Dokumenten über die Suren des Kameltreibers. „
Der Islam mild und barmherzig? Kinder, jemand ist Muslim oder er ist es nicht.
Und wenn er es ist, muss dem Koran gehorchen. Und mir scheint, dass der Koran
kein pazifistisches Buch ist. Lest ihn, lest ihn!“. Nun, die zwei bewegenden Schilder, mit denen Don
Tassi auf seine Art ausgedrückt hat, dass in den Händen einer Theokratie die
Religion nur dazu dient, das Volk dumm zu halten, ihm sein Wissen zu nehmen und
seinen Verstand zu töten. Und jeder zivilisierte Mensch hätte ihm dafür auf
Knien danken müssen. Es passiert nicht jeden Tag, dass man einen Pfarrer trifft, dem die
Prinzipien des Laizismus näher stehen als die Doktrin der katholischen Kirche.
Aber angeführt von einem Franzosen no-global, der es gewöhnt ist, in den
Häusern anderer Leute den Herren zu spielen, haben die Regenbogenfahnenträger ihn
genötigt, die Schilder wegzunehmen. Und das, ohne dass sich nur eine Stimme des
Protestes erhoben hätte. Von der Presse wollen wir schon gar nicht reden. Eine
römische Tageszeitung brachte die Notiz unter dem Titel: „Kreuzzug gegen den
Islam“. Und ein Florentiner Blatt titelte: „Weg mit dem Anti-Islam-Pfarrer“. In
der Tat sehe ich eine grosse Dummheit in dem Traum, den die Kinder Allahs schon
seit Jahren träumen, nämlich den Turm Giottos [Turm des Florentiner Doms] oder
den Schiefen Turm von Pisa oder die Kuppel der Peterskirche in Rom oder den
Eiffelturm in Paris oder die Kathedrale von Westminster oder den Kölner Dom in
die Luft zu sprengen. Welchen Sinn sollte es haben, die Schätze einer Provinz
zu zerstören, die ihnen quasi schon gehört? Eine Provinz in welcher der Koran
das neue „Das Kapital“, Mohammed der neue Karl Marx, Bin Laden der neue Lenin
und der Elfte September die neue Erstürmung der Bastille sind?
Aus: „Die Kraft der Vernunft“ - Kapitel 1
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