lunedì 17 novembre 2014

Europa brennt


Europa, das gefangen ist in seiner Trägheit und das brennt wie das alte Troja, hat jene Krankheit hervorgebracht, die im letzten Jahrhundert in Italien Faschisten auch aus jenen Italienern gemacht hat, die keine Faschisten waren, in Deutschland Nazis auch jenen Deutschen, die keine Nazis waren und in Russland Bolschewisten auch aus jenen Russen, die keine Bolschewisten waren: Angst. Angst, die heute zu Verrätern macht, die eigentlich keine sein wollen. Es ist eine tödliche Krankheit, die Angst. Eine Krankheit, genährt von Opportunismus, Konformismus,  Wendehalsigkeit und natürlich von Feigheit, eine Krankheit, die mehr Opfer mäht als der Krebs. Eine Krankheit, die im Gegensatz zum Krebs ansteckend ist und jeden anfällt, den sie auf ihrem Weg begegnet. Ich habe furchtbare Dinge gesehen in diesen letzten Jahren, hervorgerufen durch Angst. Ich habe Führungspersönlichkeiten gesehen, die normalerweise anmassend sind und auftrumpfen und die nun die weisse Fahne gehisst haben. Ich habe Liberale gesehen, die sich immer als Paladine des Laizismus ausgegeben haben und die nun aus Angst begonnen haben, Loblieder auf den Koran zu singen. Ich habe Freunde oder sogenannte Freunde gesehen, die sich, wenn auch mit einigen Reserven, auf meine Seite gestellt hatten und die nun aus Angst einen Rückzieher gemacht haben und sich nun selbst zensieren. Aber das Schlimmste, das ich gesehen habe, ist die Angst derjenigen, welche von Amts wegen dazu aufgerufen sind, die Gedanken und Redefreiheit zu beschützen.

Letzten Sommer, in Florenz, hatte Don Roberto Tassi, Pfarrer von Santa Margherita (die kleine Kirche, in der 1274 Dante Alighieri zum ersten Mal Beatrice begegnete) zwei bewegend Schilder aufgestellt. Eines vor dem Hochalter. Darauf war geschrieben: „Sei gegrüsst oh Kreuz, unsere einzige Hoffnung! Hier wollen uns alle zerstören“. Und ein anderes auf dem Platz vor der Kirche, das, zusammen mit einem Bild der Twin Towers kurz bevor diese zusammenfielen, folgenden Syllogismus wiedergab: „Der Islam ist Theokratie. Und Theokratie verträgt sich nicht mit Demokratie. Ergo ist der Islam gegen die Demokratie“. Don Tassi ist ein sehr sympathischer Pfarrer. Um zu verstehen wie sympathisch er ist, genügt es zu wissen, dass er liturgische Gewänder nur anzieht, wenn er die Messe liest oder vor Ostern die Häuser segnet. Ansonsten ist er angezogen wie ein Bauer auf dem Land. Es genügt auch zu hören, was er am Sonntag in der Predigt sagt: „Kinder! Der Atheismus hat der Kirche einen grossen Dienst geleistet. Denn er hat ihr die weltliche Macht genommen und sie dadurch gezwungen, sich nur um Gott zu kümmern“. Oder: „Von wegen Engel und Erzengel, die im Himmel herumflattern und Bücher diktieren, einschliesslich dasjenige des Kameltreibers (Anm.d.R. Mohammed). Engel gibt es nicht. Es gibt nur Jesus Christus, Sohn unseres Herrn und Lehrer der Freiheit“. Oder: „Sagen wir es klar und deutlich. Die Demokratie hat dem Menschen die Augen geöffnet. Das, was er im Herzen hat, hat er auf der Zunge. Und unter den Wahrheiten, die er im Herzen und folglich auf der Zunge hat, ist diejenige über den Islam. Ein Thema, in dem er sich bestens auskennt. Seine ärmliche Wohnung, in der er ohne Haushälterin und ohne Küster lebt, ohne jemand der ihm die Teller abwäscht oder das Kirche auskehrt, ist vollgestopft mit Büchern und Dokumenten über die Suren des Kameltreibers. „ Der Islam mild und barmherzig? Kinder, jemand ist Muslim oder er ist es nicht. Und wenn er es ist, muss dem Koran gehorchen. Und mir scheint, dass der Koran kein pazifistisches Buch ist. Lest ihn, lest ihn!“. Nun, die zwei bewegenden Schilder, mit denen Don Tassi auf seine Art ausgedrückt hat, dass in den Händen einer Theokratie die Religion nur dazu dient, das Volk dumm zu halten, ihm sein Wissen zu nehmen und seinen Verstand zu töten. Und jeder zivilisierte Mensch hätte ihm dafür auf Knien danken müssen. Es passiert nicht jeden Tag, dass man einen Pfarrer trifft, dem die Prinzipien des Laizismus näher stehen als die Doktrin der katholischen Kirche. Aber angeführt von einem Franzosen no-global, der es gewöhnt ist, in den Häusern anderer Leute den Herren zu spielen, haben die Regenbogenfahnenträger ihn genötigt, die Schilder wegzunehmen. Und das, ohne dass sich nur eine Stimme des Protestes erhoben hätte. Von der Presse wollen wir schon gar nicht reden. Eine römische Tageszeitung brachte die Notiz unter dem Titel: „Kreuzzug gegen den Islam“. Und ein Florentiner Blatt titelte: „Weg mit dem Anti-Islam-Pfarrer“. In der Tat sehe ich eine grosse Dummheit in dem Traum, den die Kinder Allahs schon seit Jahren träumen, nämlich den Turm Giottos [Turm des Florentiner Doms] oder den Schiefen Turm von Pisa oder die Kuppel der Peterskirche in Rom oder den Eiffelturm in Paris oder die Kathedrale von Westminster oder den Kölner Dom in die Luft zu sprengen. Welchen Sinn sollte es haben, die Schätze einer Provinz zu zerstören, die ihnen quasi schon gehört? Eine Provinz in welcher der Koran das neue „Das Kapital“, Mohammed der neue Karl Marx, Bin Laden der neue Lenin und der Elfte September die neue Erstürmung der Bastille sind?

Aus: „Die Kraft der Vernunft“ - Kapitel 1

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