In
diesen hundertfünfundachtzig Seiten sehe ich nur einen einzigen Helden: den
Norweger Abgeordneten Hallgrim Berg, der am darauffolgenden fünften September
an der Vollversammlung in Strassburg, die gerade dabei war, den Tagungsbericht
abzusegnen, um das Wort bat, und den, wie ich hoffe unbewussten, Jüngern der
Sigrid Hunke, eine Abreibung zu versetzen. „Meine Herren“, sagte er, „Wir sind
dabei uns etwas vorzumachen. Dieser Bericht ist kein Rückblick auf die
islamische Kultur und ist nicht so unschuldig wie er daherkommt. Er ist es vor
allem deshalb nicht, weil er kein Wort über die verabscheuungswürdige
Behandlung verliert, welcher die Frauen in der islamischen Kultur ausgesetzt
sind. Diese Tatsache wird von euch völlig übergangen, völlig verschwiegen unter
dem Vorwand, dass der Westen über den Islam immer einen Haufen Lügen verbreitet
habe. Und ich werde niemals einen Bericht akzeptieren, der, anstatt Stellung zu
dem Drama der muslimischen Frauen zu nehmen, diese verschweigt. Ich werde nie
einem Bericht zustimmen, der, anstatt das Thema der Menschenrechte im Islam
aufzugreifen, diesem ausweicht und, obwohl er die Menschenrechte erwähnt, nicht
deren Beachtung im Islam fordert. Ein Bericht, der im Übrigen die Wahrheit über
das Palästinenserproblem verschweigt, sowie die Ausbreitung des islamischen
Fundamentalismus und der die negativen Seiten des Islam ausklammert. Dialog
Euro-Arabien? Der Eure ist kein Dialog. Es ist ein Monolog, in welchem im Namen
des liberalen Denken, und der intellektuellen Grosszügigkeit, die Dinge
einseitig dargestellt werden. Und das ist alles. Aber das liberale Denken und
die intellektuelle Grosszügigkeit
funktionieren nicht, wenn sie nur auf der einen Seite zu finden sind. Ihr fordert zum Beispiel, dass alle diejenigen
Schultexte aus dem Verkehr gezogen werden, in denen nicht von dem Beitrag die
Rede ist, den der Islam zur kulturellen Entwicklung Europas geleistet hat. Und was
machen die anderen? Haben wir vielleicht irgendeinen Grund anzunehmen, dass die
andere Seite das Gleiche macht, d.h. in den islamischen Ländern den immensen
Beitrag erklärt, welchen das Christentum und das westliche Denken überall in
der Welt zur Entwicklung beigetragen haben? Ihr verlangt, dass wir in unser
Unterrichtssystem, in unseren Universitäten, und speziell in den
Rechtswissenschaften das islamische Recht lehren. Und was macht die andere
Seite? Haben wir vielleicht irgendeinen Grund anzunehmen, dass sie nun unsere
Gesetze und unsere Denkansätze in ihr Jurastudium aufnehmen wird? Meine Herren,
Ihr Bericht ist kein kulturelles
Dokument. Es ist ein politisches Dokument, dass nur dazu dient, die Interessen
des Islam in Europa zu stützen. Im Namen der Demokratie beantrage ich, den
Bericht zu überarbeiten, zu diskutieren und zu korrigieren ….“. Aber dieser
Antrag ging ins Leere. „Herr Berg, Sie müssen zugeben, dass wir Ihnen sehr
entgegengekommen sind. Wir hatten Ihnen fünf Minuten zugebilligt und diese fünf
Minuten sind schon lange vorbei“, schaltete sich an diesem Punkt der Präsident der Versammlung
ein. Dann liess er über den Antrag Bergs abstimmen. Dieser wurde einstimmig
abgelehnt und ebenso einstimmig wurde der Bericht gutgeheissen. Aus ihm wurde
die “Recomandation 1162 sur la Contribution Islamique à la Culture Européenne”,
eine Posse, die noch tolerantere Normen in Sachen Immigration vorschlug, dazu
einlud, alle Lehrtexte zu überarbeiten oder entfernen, die nicht in gehörig
ehrerbietiger Weise den Islam behandeln. Lud ausserdem dazu ein, das
Koranstudium in das Jurastudium zu integrieren sowie in die Fächer Theologie,
Philosophie und Geschichte. Nicht von ungefähr hing Herr Berg die Politik dann
an den Nagel. Er verliess Strassburg und kehrte in seine norwegische Heimat
zurück und drohte jeden von den Klippen ins Meer zu werden, der ihn an Mohammed
und das Europäische Parlament erinnern würde. Er zog sich in einen Wald über
dem Fjord von Nordkinnhalvaya zurück. Aber nicht einmal dort fand er Ruhe, der Ärmste. Denn genau in seinem Norwegen, wurde ein paar
Jahre später ein Film mit dem Titel „The Thirteenth Warrior“ (Der Dreizehnte Krieger) gedreht, eine Art mittelalterlicher Saga, die,
finanziert von den „Politically Correct“, einen Helden hat, der von einem
andalusischen Schauspieler gespielt wird, der vorher schon in der Rolle des
jungen Sozialisten Mussolini im Kino zu sehen war: Antonio Banderas. Und wisst
ihr wer der dreizehnte Krieger war? Ein wunderschöner, äusserst milder und
barmherziger und natürlich sehr frommer Muslim, den es in Begleitung seines nicht
weniger perfekten Erziehers (Omar Sharif) in die Fjorde von Nordkinnhalvaya verschlägt. Dort begegnet er zwölf etwas einfältigen und ungebildeten Blondlingen, also
ungläubigen Hunden, die, um sich von einem
noch barbarischeren Feind zu befreien, auf seine islamische Tapferkeit
angewiesen sind. Und aus reiner Seelengrösse, eine Grösse, die natürlich seinen
islamischen Tugenden entspringt, schliesst er sich ihnen an. Zusammen mit den
zwölf Blondlingen befreit er das Dorf, stiftet Frieden und Kultur, dann steigt
er wieder zu Pferde. Er trifft Omar Sharif wieder, der als muslimischer
Pazifist betend in einer Höhle geblieben war. Er nimmt eine norwegische
Schönheit mit sich, dazu bestimmt, seine erste Ehefrau von vieren zu werden,
und reitet der Sonne entgegen. Der Sonne Allahs, die den Westen erleuchtet. Dem
Leuchtturm der Welt.
Ich
weiss nicht, ob Herr Berg sich je vom Trauma des „Dreizehnten Kriegers“, der
in Nordkinnhalvaya gelandet war, erholt hat. Auf jeden Fall
weiss ich, dass bei den folgenden Tagungen die Einladung der „Recomandation 1162“ auf die Gebiete der Philologie,
der Sprachwissenschaften, der Wirtschaftswissenschaft, der Landwirtschaft und
der politischen Wissenschaften ausgedehnt wurde, und sogar auch die technischen
Fächer. Der Ruf nach Schaffung von euro-arabischen Universitäten in allen Ländern
Europas, nach mehr islamischen Büchern, Zeitschriften, Radio- und
Fernsehsendungen wurde verstärkt „um den Schlechtinformierten die Augen zu öffnen“.
Und das Ergebnis kann man täglich sehen. Im letzten Sommer veröffentlichte eine
römische Tageszeitung einen Bericht über die Einweihung der Moschee von
Granada. Mehr als ein Bericht war es eine Lobhudelei à la Sigrid Hunke, in der
begrüsst wurde, dass nach fünfhundert Jahren die Andalusier endlich wieder die
Stimme eines Muezzin hören konnten. Man erinnerte daran, dass im Jahre 1492 die
Königin Isabella von Kastilien nicht nur die Riconquista abgeschlossen hat,
d.h. die Mauren aus Spanien gejagt hat, sondern auch die Reise finanziert hat,
die Christoph Kolumbus nach Indien bringen sollte. Die Lobhudelei schloss mit
folgenden Worten: „Die Reise gelang, aber er entdeckte dabei auch Amerika. Und
jetzt leben wir in einer Welt, die immer noch unter dem Erfolg der beiden
Unternehmungen leidet“.
Aus: “Die Kraft der Vernunft” - Kapitel 7
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