Wenn
ich von der Rechten und von der Linken spreche, dann meine ich keine zwei sich
gegenüberstehende verfeindete Lager, von denen das eine das Zeichen von
Rückschritt, das andere von Fortschritt ist. Ich spreche von zwei Formationen,
die wie zwei Fussballmannschaften um einen Pokal kämpfen, indem sie dem Ball
der Macht hinterherrennen. Beide bilden einen homogenen Block, eine einzige Mannschaft, die gegen
sich selbst spielt. Die Rechte gibt es im Westen nicht mehr: die laizistische,
aufgeklärte, liberale, zivile Rechte ist heute Geschichte. Die unanständige,
reaktionäre, stumpfsinnige und feudale Rechte gibt es hingegen noch. Man findet
sie im Islam. Es ist der Islam.
Warum ist die Linke auf Seiten
des Islam? Mögliche Antworten:
Die Linke ist auf Seiten der
Dritten Welt, antiamerikanisch und antizionistisch. Der Islam ebenso. Folglich
sieht sie im Islam ihren natürlichen Verbündeten.
Oder: Mit dem Untergang der
Sowjetunion und dem Aufkommen des Kapitalismus in China hat die Linke ihre
Orientierungspunkte verloren. Deshalb klammert sie sich an den Islam wie an
einen Rettungsring.
Oder: In Europa gibt kein echtes
Proletariat mehr, und eine Linke ohne Proletariat ist wie ein Laden ohne Ware.
Im islamischen Proletariat findet die Linke die Ware, die sie nicht mehr
besitzt, bzw. ein Wählerreservoir, dessen Stimmen sie in Zukunft einzukassieren
hofft.
Aus: “Die Kraft der Vernunft” - Kapitel 11
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