Drei
Jahre später, d.h. im Jahre 1456 eroberten sie Athen, wo wiederum Mohammed II
sämtliche Kirchen und antike Gebäude in Moscheen verwandeln liess. Mit der
Eroberung Athens vervollständigten sie ihre Invasion Griechenlands, das sie für
gut vierhundert Jahre besetzen und
ruinieren sollten. Daraufhin griffen die die Republik Venedig an, die sich 1476
ihnen auch im Friaul und dann im Isonzo-Tal gegenüber sah. Im Jahr 1480 warfen
sie sich aufs Neue auf Apulien. Immer auf Befehl Mohammeds II, ging am 28. Juli
das Heer von Achmed Pascha in Otranto an Land, welches seine Einwohner mit
einer Handvoll Soldaten ohne Erfolg verteidigten. Die Stadt fiel innerhalb zweier
Wochen. Und wie in Konstantinopel machten sie Tabula rasa. Sie drangen in die
Kathedrale ein, wo sie sofort den Erzbischof enthaupteten, als dieser gerade dabei
war, die Eucharistie auszuteilen, und mit dem Erzbischof alle Priester. Sie
entführten alle jungen und hübschen Frauen und gaben sie der Truppe zum Frass.
Die anderen schlugen sie tot oder versklavten sie. Am Schluss trieben sie
achthundert Überlebende über fünfzehn Jahren zusammen und brachten in das Lager
Achmed Paschas, der ihnen die Frage stellte: „Wollt ihr konvertieren oder
sterben?“. „“Ich will lieber sterben“, antwortete der sechzehnjährige Antonio Grimaldo Pezzulla, ein Tuchscherer, d.h.
Textilarbeiter. Daraufhin riefen alle: „Ich auch, ich auch“ und Achmed Pascha
stillte sogleich ihren Wunsch und liess sie alle köpfen. Acht Tage lang dauerte
das Massaker, hundert Köpfe am Tag. Nur ein gewisser Bernabei kam davon weil er
sich entschieden hatte zu konvertieren. Bald aber erwies er sich als schlechter
Muslim und zur Strafe wurde er gepfählt. (das
berichtet uns Pietro Colonna in seinen „Commenti sull’Apocalisse“).
Auch im nachfolgenden
Jahrhundert geht es mehr oder weniger gleich zu. Denn im Jahre 1512 bestieg Selim
der Blutige den Thron des Ottomanischen Reiches. Immer auf der Grundlage des
Gesetzes über den Brudermord kam er auf den Thron nachdem er zwei Brüder, fünf
Enkel, mehrere Kalifen sowie eine ungenannte Zahl von Wesiren hatte erdrosseln
lassen. Und aus diesem ging der weitsichtige Sultan Suleiman der Prächtige hervor,
der sich in den Kopf gesetzt hatte, einen „Islamischen Staat von Europa“ zu begründen.
Sofort nach seiner Krönung stellte er eine Streitmacht von etwa
vierhunderttausend Mann, dreissigtausend Kamelen, vierzigtausend Pferden und
dreihundert Kanonen zusammen. Aus dem schon islamisierten Rumänien führte er
1526 diese Armee in das katholische Ungarn und trotz des heldenhaften
Widerstandes der Verteidiger, zersprengte er deren Heer in weniger als
achtundvierzig Stunden. Dann erreichte er Buda, da heutige Budapest. Er setzte
es in Brand und, ratet einmal wie viele Ungarn (Männer, Frauen und Kinder)
sofort auf dem Sklavenmarkt von Istanbul endeten: hunderttausend. Und ratet wie
viele es im darauffolgenden Jahr waren, die auf den Sklavenmärkten von
Damaskus, Bagdad, Kairo und Algier landeten: drei Millionen. Aber auch das
reichte ihm nicht. Um seinen „Islamischen Staat von Europa“ zu realisieren,
stellte er ein zweites Heer auf mit weiteren vierhundert Kanonen, und im Jahr
1529 begab er sich von Ungarn nach Österreich. Das ultrakatholische Österreich,
welches damals als ein Bollwerk der
Christenheit galt, konnte er jedoch nicht einnehmen. In der Tat, nach fünf
Wochen vergeblichen Angriffe zog er es vor sich zurückzuziehen. Bei seinem Rückzug liess er jedoch
dreissigtausend Bauern umbringen, von denen er meinte es lohne sich nicht, sie
auf den Sklavenmärkten zu verkaufen, denn der Preis für Sklaven war infolge der
grossen Angebots von drei Millionen und hunderttausend gefangengenommenen
Ungarn, zu stark gefallen. Sofort nach seiner Rückkehr beauftragte er den
bekannten Piraten Khayr ad-Din, genannt Barbarossa, die Flotte zu reformieren.
Diese Reform erlaubte es ihm aus dem Mittelmeer eine islamische Herrschaft zu
machen. Nach der Niederschlagung einer Palastverschwörung bei der er seinen
Erstgeborenen und auch den Zweitgeborenen seiner Söhne sowie deren Kinder, d.h.
seinen eigenen Enkel erdrosseln liess, warf er sich 1565 auf Malta, eine
Festung des Christentums. Das nützte im allerdings wenig, denn im Jahr darauf
starb er an einem Herzinfarkt (Halleluja).
Es nutzte wenig, weil sein
dritter Sohn den Thron bestieg. Dieser war bekannt nicht als der Prächtige,
sondern als der Säufer. Und es war genau unter diesem Selim dem Säufer, dass im
Jahr 1571 der General Lala Mustafa das christliche Zypern eroberte, wo er eines
der infamsten und schamlosesten Verbrechen beging, mit dem sich dieser
Leuchtturm der Zivilisation befleckt hat. Ich spreche vom Martyrium des
venezianischen Patriziers und Senators Marcantonio Bragadino, Gouverneur der
Insel. Wie der Historiker Paul Fregosi in seinem ausserordentlichen Buch „Djihad“
erzählt, begab sich Bragadino, nach dem er die Kapitulationsurkunde
unterzeichnet hatte, zu Lala Mustafa um mit ihm die Einzelheiten eines
Friedensabkommens zu diskutieren. Weil er ein aufrechter Mann war, ging er zu
ihm in glanzvoller Aufmachung: auf einem eleganten Schlachtross, angetan mit
der violetten Toga der Senatoren, begleitet von vierzig Arkebusieren in
Paradeuniform und von dem schönen Pagen Antonio Quirini (Sohn des Admirals
Quirini), der über seinem Kopf einen wertvollen Sonnenschirm mit langen Franzen
hielt. Über einen Frieden wurde nicht geredet. Denn wie schon vorher
beschlossen, entführten die Janitscharen sofort den schönen Jungen und brachten
ihn ins Serail von Lala Mustafa, der Jünglinge noch lieber deflorierte als es
Mohammed II getan hatte. Danach umstellten sie die vierzig Arkebusiere und
hackten sie mit ihren Krummsäbeln in Stücke. Im wahrsten Sinne des Wortes: in
Stücke. Am Schluss hoben sie Bragadino aus dem Sattel und augenblicklich
schnitten sie ihm Nase und Ohren ab. So verkrüppelt zwangen sie ihn vor dem
Sieger niederzuknien, der ihn dazu verurteilte, lebend gehäutet zu werden. Das
Häuten erfolgte dreizehn Tage später in Anwesenheit aller Zyprioten, denen
befohlen worden war dabei zu sein. Während die Janitscharen sich über den
Verstümmelten lustig machten, musste Bragadino mehrfach die Runde um die Stadt
machen und dabei Säcke mit Abfall hinter sich her schleifen und jedes Mal die
Erde lecken, wenn er an Lala Mustafa vorbeikam. Dann kam die Hinrichtung. Er
starb während man ihm die Haut abzog. Lala Mustafa befahl mit der abgezogenen
und mit Stroh ausgestopften Haut eine Puppe herzustellen, sie auf eine Kuh zu
binden und diese um die Stadt zu treiben. Am Schluss liess er die Puppe am Bugmast
seines Admiralschiffes aufhängen. Zum Ruhm des Islam.
Aus: „Die Kraft der Vernunft“ - Kapitel 1
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