Zu
Zeiten der Sowjetunion gab es Popov. Niemand wusste, wer dieser Popov gewesen
sein könnte. In welcher Zeit und in welcher Gegend er gelebt haben und welche
Zeugen seiner Existenz er hinterlassen haben könnte. Man wusste nicht einmal ob
Popov sein Vorname oder sein Nachname oder sein Spitzname gewesen sei. Noch
schlimmer, nur eine pure Erfindung. Die Sowjets
und die italienischen Kommunisten
behaupteten jedoch, dass dieser Popov alles erfunden habe: die
Eisenbahn, das Telefon, den Reissverschluss, das Fahrrad, die Nähmaschine, die
Mähmaschine, die Geige, die Makkaroni, die Pizza. Kurz und gut, lauter Sachen,
von denen wir glaubten, dass wir sie erfunden hätten. Nun, bei den unkritischen
Jüngern der Sigrid Hunke geschieht das Gleiche. Der einzige Unterschied ist
der, das ihre Popovs Mohammed, Achmed, Mustafa oder Raschid heissen. Und sie
gehören nicht der Sowjetunion an und sollen nicht die Überlegenheit des
Kommunismus beweisen. Sie gehören der älteren Vergangenheit des Islam an und
sollen dessen Überlegenheit beweisen. Hier einige Beispiele. Ich glaubte, dass
schon die alten Römer das Sorbet kannten und es mithilfe des Schnees
zubereiteten, den sie von Bergen holten und in kühlen Kellern aufbewahrten.
Frau Margarita López Gómez der Fundación Occidental de la Cultura Islámica in
Madrid hat mir jedoch erklärt, dass der Erfinder einer der Popovs Allahs
gewesen sei, und dass im heissen Mesopotamien sich der Schnee besser konservieren
lässt als in unseren Kühlschränken und dass unser Wort „Sorbet“ von arabisch “sharab” kommt.
(Anm.
d. R.: Man lese dazu den Artikel „Sorbet“ in der deutschen Version von
Wikipedia und vergleiche ihn mit dem Artikel „Sorbetto“ in der italienischen
Version. Die deutsche Version reflektiert ausschliesslich die Meinung der islamfreundlichen
Speichellecker. Die alten Römer hat man völlig unter den Tisch fallen lassen. In
der italienischen Version liest man zum Beispiel, dass das arabische Wort
“sherbet” indoeuropäische Wurzeln haben könnte)
Ich hatte bisher auch geglaubt,
das Papier hätten die Chinesen erfunden. Um genau zu sein, ein gewisser Tai-lun
habe es erstmalig im Jahr 105 n.Chr. (also 500 Jahre vor Mohammed) aus
Maulbeerbaum- und Bambusfasern hergestellt. Frau López Gómez hingegen behauptet,
dass das Papier von Moslems in Damaskus und in Bagdad erfunden worden sei und
dass deren Abkömmlinge es in Cordoba und Granada verbreitet hätten. (die natürlich
die herrlichsten und kultiviertesten Städte warewn, die die Welt je gesehen
hat. Im Vergleich mit diesen Städten erscheinen das Athen des Perikles und das
Rom des Augustus als schmuddelige Dörfer). Und ich glaubte auch, dass es
Hippokrates war, der mit der Erforschung des Blutkreislaufes begann. Er war es
jedoch nicht. Hört man jedoch die genannte Frau López Gómez, so war es ein gewisser
Ibn Sina, d.h. Avicenna. Und das ist
nicht alles. Glaubt man dem Professor Sherif Mardin der Washington University (einer der zwei Amerikaner mit
koranischem Namen und ein bekannter Leugner gesicherter Tatsachen), dann haben
wir den islamischen Popovs sogar die Artischocken zu verdanken, einschliesslich
der „carciofi alla giudia“, der Artischocken, die böswillige Leute wie ich, den
jüdischen Küche zuschreiben. Und ausser den Artischocken verdanken wir dem
Islam auch den Spinat, die Orangen, die Zitronen, die Hirse und die Baumwolle.
Wirklich seltsam, in der Schule habe ich gelernt, dass die alten Römer
Baumwolle aus dem Ägypten der Pharaonen einführten und dass sie daraus Kleider,
Togen und Bettlaken machten und, wenn ich nicht irre, machten das auch die
alten Griechen.
Der Professor Mardin beschränkt
sich nicht nur aufs Gemüse. Er behauptet, dass wir auch den „Dolce Stil Nuovo“
der islamischen Kultur verdanken, die poetische Richtung , die, wie alle
wissen, im 13. Jahrhundert von Guido Guinizelli in Bologna begründet wurde und ihre
Blüte dann in der Toskana erlebte, insbesondere in Florenz mit Dante Alighieri,
Guido Cavalcanti und Lapo Gianni. Denn es seien die Muslime der Kreuzfahrerzeit gewesen, so sagt er,
die als Erste die Liebe, die höfische Art und das Rittertum besangen. Sie seien
es gewesen, die als Erste in der Frau ein Quelle der Inspiration sahen, ein
mystisches Instrument geistiger Erhebung. Und der Professor Louis Baeck von der
Universität Leuwen in Belgien, ist ähnlicher oder gleicher Meinung. Dieser
behauptet doch tatsächlich, dass der Beitrag des Islam zur europäischen Kultur auch
die Wirtschaftswissenschaften betrifft. Denn der Vater der
Wirtschaftswissenschaft sei nicht etwa Adam Smith, sondern Mohammed. Auch wenn
der Koran dem Thema nur wenige Suren widmet, in den religiösen Vorschriften des
Propheten fänden sich alle Ideen Adam Smiths zusammengefasst. Der Professor
Reinhard Schulze des Orientseminars Bonn gibt dem Islam auch die Vaterschaft
der Aufklärung. Schluss mit der Auffassung, dem Westen gebühre das Verdienst
der Aufklärung, heult er. Schluss mit der Auffassung, das Europa des 18.
Jahrhunderts sei ein Vulkan intellektuellen Lebens gewesen und der Islam ein Abgrund
der Unwissenheit und des Verfalls. Schluss mit der Zuweisung der Verdienste an
die Voltaires, an die Rousseaus, an die Diderots, an die Enzyklopädisten. Dann
verrät er den Namen seines Popovs. Er heisst Abdalghani Al-Nabulosi und war Historiker in Damaskus,
wo er schon 1730 das schrieb, was Voltaire dreiundvierzig Jahre später in
seinem „Précis sur le Procés du Monsieur
Comte de Morangies contre la Famille Verron” schreiben sollte, nämlich,
dass man die Rolle der Religion in der Gesellschaft neu definieren
müsse.
Ein kleiner Brief, “Herr Schulze, halten Sie Ihren Mund. Und
überlassen sie gewisse Theorien ihrer verstorbenen Landsmännin Frau Hunke. Wir
wissen bestens, das in der weiter zurückliegenden Vergangenheit es auch im
Islam intelligente und ausserordentliche Persönlichkeiten gab. Intelligenz hat
keine Grenzen und es gelingt ihr immer wieder die Mauern der
institutionalisierten Idiotie zu durchbrechen. Es ist deshalb durchaus möglich,
dass Ihr Popov ganz allein in Damaskus auf irgendeine Idee der Enzyklopädisten
gekommen ist, möglicherweise beim Lesen Isaac Newtons, der zu diesem Thema
schon zwei oder drei Traktate geschichtlichen und theologischen Inhalts
veröffentlicht hatte. Aber abgesehen von der Tatsache, dass eine Schwalbe noch
keinen Frühling macht, hat der Islam noch immer seine intelligenten
Persönlichkeiten verfolgt und zum Schweigen gebracht. Denken Sie an Averroës
(1126-1198), der wegen seiner Unterscheidung von Glauben und Vernunft von den
Kalifen der Heterodoxie angeklagt wurde, fliehen musste, eingekerkert wurde wie
ein Verbrecher, dann unter Hausarrest gestellt und derartig gedemütigt worden
ist, dass er, als man ihn rehabilitiert hatte, lebensmüde geworden war und
innerhalb von wenigen Monaten starb. (Nicht von ungefähr sagte Ernest Renan 1883, in einem seiner berühmten
Vorträge an der Sorbonne: die Verdienste des Averroës dem Islam anzurechnen,
sei etwa das gleiche wie die Verdienste Galileis der Inquisition
zuzuschreiben). Herr Schulze, wenn es ein
Jahrhundert gab, in welchem der Islam nichts anderes als Trägheit und
Niedergang zu bieten hatte, so war das genau das 18. Jahrhundert. Und wenn es
eine Denkrichtung gab, mit der der Islam nun absolut nichts zu tun hat, dann
ist es die Aufklärung. Und wissen Sie warum? Weil es genau so ist wie vor
zweihundertfünfundvierzig Jahren Diderot an Madame Volland schrieb: „Der Islam
ist der Feind der Vernunft“. Und wenn ihre muslimischen Freunde nicht ein
Bisschen ihr Gehirn öffnen, und den Koran und der Theokratie nicht einer
gehörigen Säuberung unterziehen, wird kein Eurabien das Gegenteil demonstrieren
können“.
Und was die Italiener betrifft,
die an dieser Tagung sich durch ihre Ehrerbietigkeit gegenüber dem Islam
ausgezeichnet haben, mein Gott!. Einer von ihnen war damals Vizegeneralsekretär
des Europarates. Ein anderer war von den Linksdemokraten und stand damals der
Kommission „Jugend, Kultur, Sport und Medien“ des Europäischen Parlamentes vor. Der dritte war Inhaber des
Lehrstuhls für Islamische Studien an der Universität Neapel. Und wenn ich mir ihre
Vorträge durchlese wird mir geradezu schlecht, mehr als Bestürzung fühle ich
Verwirrung und Schmerz. Geblendet von dem Leuchtturm Allahs, findet der Erste
einen Popov der neapolitanischen Schlager, in „O Sole mio“ und in
“Funiculì-Funiculà”. Die neapolitanischen Schlager, die wir singen, könnten von
nordafrikanischen Strassenmusikern stammen. Und das Gleiche lässt sich auch von
vielen sizilianischen und spanischen Liedern sagen, heisst es im Text, den ich
vor mir habe. Und von der Huldigung der
arabischen Musik geht er zur Gastronomie über. Es teilt uns mit, dass viele sizilianische, spanische, bulgarische,
griechische und jugoslawische Gerichte (lauter Länder, die am meisten unter dem
islamischen Kolonialismus zu leiden hatten) der Küche des Ottomanischen
Imperiums entstammen. Von der Huldigung der Gastronomie kommt er zur Theologie
und, in völliger Missachtung des Werks “De
unitate intellectus contra Averroistas”, belehrt er uns, dass der heilige
Thomas von Aquin aufs Tiefste von der Schule Averroës‘ beeinflusst worden sei. Der Zweite kanzelt
hingegen Giambattista Vico ab, indem er behauptet, dass dessen Theorie “der Zyklen in der
Geschichte“ (Corsi e ricorsi) schon dreissig Jahre früher von einem islamischen
Popov namens Ibn Khaldun formuliert worden sei. Auch Marco Polo setzt er
kräftig herab. Er macht uns glauben, dass die “Chroniken” des Reisenden Ibn
Battuta viel interessanter seien als Marco Polos “Il Milione”. Auch Giordano
Bruno wird zusammengestaucht. Er wirft uns vor, seinen Tod auf dem
Scheiterhaufen zu beklagen, und nicht das gleichen Martyrium des Arabers Al-Hallaj. Schliesslich
definiert er den Islam als „eine der ausserordentlichsten politischen und
moralischsten Kräfte der heutigen Welt“ (nicht der Welt von gestern, der von
heute). Er erläutert uns, dass die europäische Kultur, weit davon entfernt eine
eigene Identität zu besitzen, ein Gemisch von Kulturen sei, zu denen man auch
die islamische rechnen müsse. Er beglückwünscht sich zur „Integration, die dabei ist, unseren Kontinent zu
veredeln” und er wünscht sich, dass Multikulti uns mit neuem Blut erfülle …… Der Dritte,
ach, nimmt sich Sizilien vor. Damit will ich sagen, dass er die Glorie
Andalusiens auf Sizilien ausdehnt, das für drei Jahrhunderte von den wahren
Erfindern von “O sole mio” und “Funiculì-funiculà” unterjocht wurde. Die
Tatsache, dass die Sizilianer für fast ein Jahrhundert sich wie Löwen gegen
deren Vordringen gewehrt haben, übergeht er mit Stillschweigen. Dagegen spricht
er auch im Fall Siziliens von einem Goldenen Zeitalter, von einer Epoche , die
so glücklich war, dass man den Eindruck hat, dass für ihn eine neue Invasion
der Söhne Allahs das grösste Glück der Welt wäre, und anstatt diese zu bedauern
müsse man ihr dankbar sein. „Shukran, Brüder, Shukran! Danke, dass ihr gekommen
seid um uns erneut ein bisschen Kultur zu bringen“. Um
undankbare Geschöpfe wie mich besser zu überzeugen, behauptet er frech, in
Sizilien hätten die Menschen darum gebeten, zum Islam konvertieren zu dürfen –
nicht um jene Rechte zu erwerben, die den ungläubigen Hunden vorenthalten
waren, sondern weil sie diesen Popovs tiefe Bewunderung entgegenbrachten. Das
Gleiche hätten die Normannen gefühlt, nach dem sie sie vertrieben haben. Und es
spricht für sich, dass die belgischen und französischen Teilnehmer diese Dankbaren
um viele Längen noch übertreffen. In seiner leidenschaftlichen Lobpreisung, zum
Beispiel, hat sich der Professor Edgar
Pisani, Direktor des Institut du
Monde Arabe in Paris, die Jakobiner vorgenommen, denen er vorwirft, an einem
bestimmten Punkt der Französischen Revolution mit der katholischen Kirche
verhandelt zu haben und nicht mit dem Islam.
Aus: “Die Kraft der Vernunft” - Kapitel 7
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