lunedì 17 novembre 2014

Islam im Unterricht


Der Laizismus in unseren italienischen Schulen ist nicht perfekt. Das liegt nicht an den Lateran-Verträgen, d.h. am Konkordat, das Mussolini 1929 unterzeichnet hat, und das die Konstituierende Versammlung 1947 mit den Stimmen der von Togliatti geführten Kommunisten bestätigt hat, und das 1984 leicht abgeändert wurde, indem man den nicht verfassungskonformen Ausdruck „Staatsreligion“ strich. Um es kurz zu sagen, Der Laizismus ist nicht perfekt, und zwar wegen eines kleinen Fehlers, der da heisst „wöchentliche Religionsstunde“. Es handelt sich dabei um eine frei wählbare Stunde. Sie war schon frei wählbar, als ich noch das Lyzeum „Galileo Galilei“ in Florenz besuchte und wo ich einen Priester namens Bensi zur Verzweiflung brachte. Wenn Don Bensi das Klassenzimmer betrat, verliess ich es. Taub für seine betrübten Worte (normalerweise brummte er: “Geh nur, geh nur, aber denk daran, dass ein armer Pfarrer versucht deine Seele zu retten“), nahm ich mein Frühstücksbrot und ass es auf dem Korridor – ohne irgendwelche Rache- oder Schuldgefühle. Umso weniger als er mir immer verzieh wobei er hämisch kicherte: „War es gut, das Brot?“. Diese Möglichkeit der Wahl, diese Möglichkeit an der Stunde teilzunehmen oder nicht, milderte den Fehler (der im Grunde durch die Tatsache legitimiert ist, dass die überwältigende Mehrheit der Italiener katholisch ist). Er mildert ihn dermassen, dass keine andere Religionsgemeinschaft daran Anstoss nimmt. Keine andere beansprucht, dass ihr Glaube in öffentlichen Schulen verbreitet wird. Nicht einmal die jüdische Glaubensgemeinschaft beansprucht das, die doch unter den religiösen Minderheiten diejenige ist, die in Glaubensdingen am anspruchsvollsten ist. In ihrer Vereinbarung mit dem italienischen Staat spricht die jüdische Glaubensgemeinschaft nur von eventuellen Bitten seitens der Schüler oder ihrer Familien um ein Eingehen auf die jüdische Religion „im Rahmen der kulturellen Erziehung“. Eine Sache ist es, Vorschläge zu machen, eine andere ist es, zu fordern, dass man an öffentlichen Schulen lehren soll, was man in Privatschulen oder in der Synagoge lehrt. Er, der Islam, sei die zweite Staatsreligion (der italienische Staat repräsentiert nicht die islamischen Immigranten, und die Italiener, die zum Islam übergetreten sind, sind nur zehntausend) behauptet der Entwurf der Islamischen Gemeinschaften und verlangt, dass in unseren Schulen Koranunterricht erteilt wird, so wie in ihren Privatschulen und Moscheen. 

Und im Entwurf des Abkommens verlangen sie das ganz präzis. Das heisst, sie wollen, dass dieser Unterricht in den Klassenzimmern aller Schulen, gleich welcher Art, erfolgen soll, sogar im Kindergarten. Und sie heben hervor, dass der Unterricht durch von ihnen ausgewählte Lehrkräfte erfolgen muss auf der Basis der von ihnen ausgearbeiteten Lehrpläne und zu Zeiten, die ihnen am besten passen. Es kommt noch schlimmer: sie wollen unsere Lehrpläne und Lehrinhalte mitbestimmen. Sie wollen, dass „in anderen Schulfächern keine religiösen Themen behandelt werden“. Und was meint ihr, was das bedeutet? Es bedeutet, dass wir in allen anderen Fächern Bezüge zur Religion vermeiden müssen, zur Religion, zum Christentum, von dem unsere Kultur durchtränkt ist. Das bedeutet, dass wir im Italienisch-Unterricht nicht mehr von der Göttlichen Komödie sprechen dürfen, von einem Werk, das ein ungläubiger Hund namens Dante Alighieri geschrieben hat, der vom Leben auf Erden und im Himmel eine rein christliche Vision hatte, der im achtundzwanzigsten Gesang Mohammed in die Hölle versetzt hat, und der das Paradies voller Frauen schildert. Heldinnen des Alten Testaments und Heilige des christlichen Kalenders sowie Beatrice Portinari, das Mädchen, in das er verliebt war, und die Mutter Seines Sohnes, d.h. die Jungfrau Maria. Wenn man es richtig bedenkt, dürfte man nicht einmal den „Sonnengesang“  des Franz von Assisi erwähnen und die „Heiligen Hymnen“ von Alessandro Manzoni.  Im Geschichtsunterricht dürften wir nicht mehr von Jesus und Aposteln sprechen, weder von Barnabas noch von Pontius Pilatus, nicht von den Christen und den Katakomben oder von Konstantin und dem Heiligen Römischen Reich. Auch nicht von den Kämpfen zwischen Guelfen und Ghibellinen, und dem Widerstand, den die Sizilianer, die Kampanier und die Toskaner, die Veneter und Friaulaner, die Apulier und Genuesen den islamischen Invasionen entgegensetzten.

Wir müssten Karl Martell und Jeanne d’Arc, den Fall von Konstantinopel und der Schlacht von Lepanto aus den Schulbüchern streichen. Und aus dem Philosophieunterricht Sankt Augustinus und Thomas von Aquin, Luther und Calvin, Descartes und Pascal. Aus der Kunstgeschichte alle Christus- und Madonnenbilder von Giotto und Masaccio, von Fra Angelico und Filippo Lippi, von Verrocchio und Mantegna, von Raffael, von Leonardo da Vinci und von Michelangelo. Aus dem Musikunterricht müsste man den Gregorianischen Gesang verbannen, alle Requiem, angefangen vom „Requiem“ Mozarts und dem „Requiem“ Verdis, und man dürfte nicht mehr das „Ave Maria“ Schuberts singen. …… Es erscheint paradox was ich sage, nicht wahr? Es scheint sich um Spitzfindigkeiten zu handeln, um groteske  Übertreibungen. Leider sind sie es nicht: es handelt sich um Überlegungen und um eine Fortschreibung, die auf den heutigen Zuständen basieren.

Manchen ungläubigen Hund haben diese Lumpen schon in der Tat schon an den Pranger gestellt. Einer davon ist Dante Alighieri, den man unter dem Vorwand des achtundzwanzigsten Gesanges aus der Oberstufe der Schulen verbannen möchte, und sogar aus seinem Grabmal in Ravenna um „seine Knochen zu zermahlen und in alle Winde zu verstreuen“. Ein anderer ist der Maler Giovanni da Modena, der im Jahr 1415, in der Kathedrale von San Petronius in Bologna ein winziges Fresko  angebracht hat, das Mohammed in der Hölle zeigt. Nachdem man einen Brief an den Papst und an der Kardinal von Bologna geschrieben hat, in welchem dieses Fresko als eine “nicht hinnehmbare Beleidigung aller Muslime in der Welt“ bezeichnet wird, haben sie versprochen das Fresko zu zerstören. Und ein Mal haben sie es sogar versucht. Auch in Frankreich machen sie Ähnliches und verlangen die Verbannung Voltaires.  Er wird von ihnen für schuldig befunden, die Tragödie „Le Fanatisme ou Mahomet le prophète“ geschrieben zu haben, in welcher, aufgehetzt von Mohammed, der jugendliche Held seinen Vater und seinen Bruder ermordet.

Aus: „Die Kraft der Vernunft“ - Kapitel 4

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