Der Laizismus in unseren
italienischen Schulen ist nicht perfekt. Das liegt nicht an den
Lateran-Verträgen, d.h. am Konkordat, das Mussolini 1929 unterzeichnet hat, und
das die Konstituierende Versammlung 1947 mit den Stimmen der von Togliatti
geführten Kommunisten bestätigt hat, und das 1984 leicht abgeändert wurde,
indem man den nicht verfassungskonformen Ausdruck „Staatsreligion“ strich. Um
es kurz zu sagen, Der Laizismus ist nicht perfekt, und zwar wegen eines kleinen
Fehlers, der da heisst „wöchentliche Religionsstunde“. Es handelt sich dabei um
eine frei wählbare Stunde. Sie war schon frei wählbar, als ich noch das Lyzeum
„Galileo Galilei“ in Florenz besuchte und wo ich einen Priester namens Bensi
zur Verzweiflung brachte. Wenn Don Bensi das Klassenzimmer betrat, verliess ich
es. Taub für seine betrübten Worte (normalerweise brummte er: “Geh nur, geh
nur, aber denk daran, dass ein armer Pfarrer versucht deine Seele zu retten“),
nahm ich mein Frühstücksbrot und ass es auf dem Korridor – ohne irgendwelche Rache-
oder Schuldgefühle. Umso weniger als er mir immer verzieh wobei er hämisch
kicherte: „War es gut, das Brot?“. Diese Möglichkeit der Wahl, diese
Möglichkeit an der Stunde teilzunehmen oder nicht, milderte den Fehler (der im
Grunde durch die Tatsache legitimiert ist, dass die überwältigende Mehrheit der
Italiener katholisch ist). Er mildert ihn dermassen, dass keine andere
Religionsgemeinschaft daran Anstoss nimmt. Keine andere beansprucht, dass ihr
Glaube in öffentlichen Schulen verbreitet wird. Nicht einmal die jüdische
Glaubensgemeinschaft beansprucht das, die doch unter den religiösen
Minderheiten diejenige ist, die in Glaubensdingen am anspruchsvollsten ist. In
ihrer Vereinbarung mit dem italienischen Staat spricht die jüdische
Glaubensgemeinschaft nur von eventuellen Bitten seitens der Schüler oder ihrer
Familien um ein Eingehen auf die jüdische Religion „im Rahmen der kulturellen Erziehung“.
Eine Sache ist es, Vorschläge zu machen, eine andere ist es, zu fordern, dass
man an öffentlichen Schulen lehren soll, was man in Privatschulen oder in der
Synagoge lehrt. Er, der Islam, sei die zweite Staatsreligion (der italienische
Staat repräsentiert nicht die islamischen Immigranten, und die Italiener, die zum
Islam übergetreten sind, sind nur zehntausend) behauptet der Entwurf der
Islamischen Gemeinschaften und verlangt, dass in unseren Schulen
Koranunterricht erteilt wird, so wie in ihren Privatschulen und Moscheen.
Und im Entwurf des Abkommens verlangen
sie das ganz präzis. Das heisst, sie wollen, dass dieser Unterricht in den
Klassenzimmern aller Schulen, gleich welcher Art, erfolgen soll, sogar im
Kindergarten. Und sie heben hervor, dass der Unterricht durch von ihnen
ausgewählte Lehrkräfte erfolgen muss auf der Basis der von ihnen
ausgearbeiteten Lehrpläne und zu Zeiten, die ihnen am besten passen. Es kommt
noch schlimmer: sie wollen unsere Lehrpläne und Lehrinhalte mitbestimmen. Sie wollen,
dass „in anderen Schulfächern keine religiösen Themen behandelt werden“. Und
was meint ihr, was das bedeutet? Es bedeutet, dass wir in allen anderen Fächern
Bezüge zur Religion vermeiden müssen, zur Religion, zum Christentum, von dem
unsere Kultur durchtränkt ist. Das bedeutet, dass wir im Italienisch-Unterricht
nicht mehr von der Göttlichen Komödie sprechen dürfen, von einem Werk, das ein
ungläubiger Hund namens Dante Alighieri geschrieben hat, der vom Leben auf
Erden und im Himmel eine rein christliche Vision hatte, der im
achtundzwanzigsten Gesang Mohammed in die Hölle versetzt hat, und der das
Paradies voller Frauen schildert. Heldinnen des Alten Testaments und Heilige
des christlichen Kalenders sowie Beatrice Portinari, das Mädchen, in das er verliebt
war, und die Mutter Seines Sohnes, d.h. die Jungfrau Maria. Wenn man es richtig
bedenkt, dürfte man nicht einmal den „Sonnengesang“
des Franz von Assisi erwähnen und die „Heiligen Hymnen“ von Alessandro
Manzoni. Im Geschichtsunterricht dürften
wir nicht mehr von Jesus und Aposteln sprechen, weder von Barnabas noch von
Pontius Pilatus, nicht von den Christen und den Katakomben oder von Konstantin
und dem Heiligen Römischen Reich. Auch nicht von den Kämpfen zwischen Guelfen
und Ghibellinen, und dem Widerstand, den die Sizilianer, die Kampanier und die
Toskaner, die Veneter und Friaulaner, die Apulier und Genuesen den islamischen
Invasionen entgegensetzten.
Wir müssten Karl Martell und Jeanne d’Arc, den Fall von
Konstantinopel und der Schlacht von Lepanto aus den Schulbüchern streichen. Und
aus dem Philosophieunterricht Sankt Augustinus und Thomas von Aquin, Luther und
Calvin, Descartes und Pascal. Aus der Kunstgeschichte alle Christus- und
Madonnenbilder von Giotto und Masaccio, von Fra Angelico und Filippo Lippi, von
Verrocchio und Mantegna, von Raffael, von Leonardo da Vinci und von
Michelangelo. Aus dem Musikunterricht müsste man den Gregorianischen Gesang
verbannen, alle Requiem, angefangen vom „Requiem“
Mozarts und dem „Requiem“ Verdis, und
man dürfte nicht mehr das „Ave Maria“
Schuberts singen. …… Es erscheint paradox was ich sage, nicht wahr? Es scheint
sich um Spitzfindigkeiten zu handeln, um groteske Übertreibungen. Leider sind sie es nicht: es
handelt sich um Überlegungen und um eine Fortschreibung, die auf den heutigen
Zuständen basieren.
Manchen ungläubigen Hund haben diese Lumpen schon in der
Tat schon an den Pranger gestellt. Einer davon ist Dante Alighieri, den man
unter dem Vorwand des achtundzwanzigsten Gesanges aus der Oberstufe der Schulen
verbannen möchte, und sogar aus seinem Grabmal in Ravenna um „seine Knochen zu
zermahlen und in alle Winde zu verstreuen“. Ein anderer ist der Maler Giovanni
da Modena, der im Jahr 1415, in der Kathedrale von San Petronius in Bologna ein
winziges Fresko angebracht hat, das
Mohammed in der Hölle zeigt. Nachdem man einen Brief an den Papst und an der
Kardinal von Bologna geschrieben hat, in welchem dieses Fresko als eine “nicht
hinnehmbare Beleidigung aller Muslime in der Welt“ bezeichnet wird, haben sie
versprochen das Fresko zu zerstören. Und ein Mal haben sie es sogar versucht.
Auch in Frankreich machen sie Ähnliches und verlangen die Verbannung
Voltaires. Er wird von ihnen für
schuldig befunden, die Tragödie „Le
Fanatisme ou Mahomet le prophète“ geschrieben zu haben, in welcher,
aufgehetzt von Mohammed, der jugendliche Held seinen Vater und seinen Bruder
ermordet.
Aus: „Die Kraft der Vernunft“ - Kapitel 4
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